Rathaus-Meldungen
01.07.2021

Pressemitteilung: „Wir wollen den Standort Lauf stärken und die Stadt nachhaltig weiterentwickeln“

Geplanter Bau eines neuen ABL-Firmencampus: Stadt Lauf informierte über Prüfungsverfahren und Eingriffserheblichkeitsabschätzung


Auch die Vertreter der Stadtratsfraktionen - von links nach rechts: Georg Schweikert (Fraktionsvorsitzender der Freien SPD ), Julia Hacker (Freie Wähler), Christine Platt (Fraktionsvorsitzende der Grünen) und die Zweite Bürgermeisterin Nina Bezold (CSU) - informierten sich über die Prüfungsverfahren zum geplanten Bau eines neuen ABL-Firmencampus (Foto: Hiller)

Auch die Vertreter der Stadtratsfraktionen - von links nach rechts: Georg Schweikert (Fraktionsvorsitzender der SPD ), Julia Hacker (Freie Wähler), Christine Platt (Fraktionsvorsitzende der Grünen) und die Zweite Bürgermeisterin Nina Bezold (CSU) - informierten sich über die Prüfungsverfahren zum geplanten Bau eines neuen ABL-Firmencampus (Foto: Hiller)

Guido Bauernschmitt vom zuständigen Stadtplanungsbüro TEAM 4 (links) überreichte Bürgermeister Thomas Lang eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Alternativenprüfung. (Foto: Hiller)

Guido Bauernschmitt vom zuständigen Stadtplanungsbüro TEAM 4 (links) überreichte Bürgermeister Thomas Lang eine Zusammenfassung der Ergebnisse der Alternativenprüfung. (Foto: Hiller)

Im Mai kommunizierten die Stadt Lauf und das Unternehmen ABL Pläne für den Neubau des ABL Campus an der Ausfahrt Lauf Süd zwischen der Autobahn A 9 und der Staatsstraße 2240.

Der Antrag der Stadt Lauf auf Eingliederung des betreffenden Waldstücks wird derzeit von der Regierung von Mittelfranken geprüft. Erst wenn diese grünes Licht gibt, können die Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans und zur Aufstellung eines Bebauungsplans eingeleitet werden.

Bei einer Pressekonferenz im Sitzungssaal des Rathauses berichtete die Stadt Lauf nun über den aktuellen Stand der Dinge.

Man wolle die Bürgerinnen und Bürger „von Beginn an mitnehmen“ und bereits vor Eintritt in die Planungsverfahren umfassend über die Maßnahme informieren – auch um den Dialog wieder etwas zu versachlichen, so Bürgermeister Thomas Lang.

Alternativenprüfung in drei Schritten

Zur Vorbereitung einer möglichen Bauleitplanung hat die Stadt Lauf eine detaillierte Alternativenprüfung über das ganze Stadtgebiet erstellen lassen.

Diese sei in drei Schritten erfolgt, wie Guido Bauernschmitt vom zuständigen Stadtplanungsbüro TEAM 4 erläuterte.

1. Prüfung der Erweiterungsmöglichkeiten am bestehenden Betriebsstandort
2. Prüfung bestehender Gewerbeflächen gemäß dem Flächennutzungsplan
3. Prüfung möglicher Erweiterungsmöglichkeiten an bestehenden Gewerbeflächen

Am bestehenden Betriebsstandort, so das Ergebnis, gebe es keine Erweiterungsmöglichkeiten im notwendigen Flächenumfang von mindestens acht Hektar. Zudem sei die Verkehrsanbindung im Hinblick auf die zu erwartende erhebliche Verkehrszunahme „sehr problematisch“.

Die im zweiten Schritt erfolgte Prüfung bestehender Gewerbeflächen gemäß dem Flächennutzungsplan habe gezeigt, dass die Areale, in denen freies Flächenpotential vorhanden sei, aufgrund der zu geringen Flächengröße oder fehlender Verfügbarkeit nicht in Frage kämen.

Dies gelte unter anderem auch für die Grundstücke am Oskar-Sembach-Ring und am Faunberg, die mehrfach als Alternativen vorgeschlagen wurden, wie der Bürgermeister ergänzte. Beide stünden nicht zur Verfügung und wären darüber hinaus zu klein – ebenso wie die freie Fläche an der Südseite des Röthenbacher Bahnhofs zwischen dem Diehl-Gelände und der Fischbachstraße, die von der Röthenbacher CSU ins Gespräch gebracht worden war.

Ausreichender Abstand zu Wohngebieten

Hauptsuchkriterien bei der Prüfung möglicher Erweiterungsmöglichkeiten an bestehenden Gewerbeflächen seien neben einer Mindestgröße von acht Hektar auch eine sehr gute Verkehrsanbindung und ausreichender Abstand zu Wohngebieten in der Umgebung gewesen, so Guido Bauernschmitt weiter.

Letztendlich sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass es im gesamten Stadtgebiet keine sinnvollere oder besser geeignete Alternative zur Betriebsverlagerung der Firma ABL gebe als die Fläche südlich der Autobahnausfahrt Lauf Süd zwischen der Staatsstraße 2240 und der Autobahn A 9.

Ein kleinerer Teil des rund elf Hektar großen, vollständig bewaldeten Areals gehört zum Laufer Stadtgebiet; der größte, östliche Teil ist außermärkisch im gemeindefreien Gebiet und teils im Besitz des Freistaats Bayern.

Erstellen einer Eingriffserheblichkeitsabschätzung

Da die Fläche als Bannwald geschützt ist, hat die Stadt Lauf ergänzend eine Eingriffserheblichkeitsabschätzung erstellen lassen. Hierfür wurde die Waldfläche unter anderem durch Biologen mehrfach kartiert, darüber hinaus wurden Vögel, Fledermäuse, aber auch Reptilien, Amphibien etc. untersucht.

In dem überwiegend naturfernen Nadelwaldbestand seien ausschließlich häufige Arten festgestellt worden, wie der Stadtplaner ausführte. Dies lasse sich auf den naturfernen Vegetationsbestand und die weitgehende Isolierung zwischen Autobahn und Staatsstraße zurückführen. Eine besondere Schutzwürdigkeit habe nur ein Eichenbestand im Süden des Gebiets.

Auch im Hinblick auf seinen Erholungswert sei das Areal von sehr geringer Bedeutung. Zum einen existierten keinerlei begehbare Wege, zum anderen sei die Lärmbelastung durch Autobahn und Staatstraße an der Grenze der Gesundheitsgefährdung und damit ein Aufenthalt zu Erholungszwecken ausgeschlossen.

Eine besondere Bedeutung bestehe laut Guido Bauernschmitt ausschließlich aufgrund der Wohlfahrtswirkungen des Waldes für den Klimaschutz – eine Funktion die generell für alle Waldflächen im Verdichtungsraum gelte.

Flächensubstanz des Bannwaldes bleibt erhalten

Der Bannwald umfasst ca. 41.000 Hektar. Für das Bauvorhaben beansprucht würden hiervon 0,02%. Hierfür mussten Ersatzaufforstungen geleistet werden, so dass die Flächensubstanz des Bannwaldes erhalten bliebe. Ein weiterer Vorteil wäre, dass die Ersatzaufforstung mit klimastabilen heimischen Laubbäumen naturnah und in wesentlich weniger gestörter Lage geschaffen werden könnte und so ein wertvollerer Waldbestand entstehen würde als der vom Vorhaben betroffene. Der aktuelle Baumbestand aus Kiefern und Fichten ist nicht klimastabil und muss ohnehin umgebaut werden.

Die ABL-Betriebsverlagerung hätte für die Stadt Lauf noch weitere Vorteile. Der verkehrsintensive Gewerbebetrieb wäre an der Autobahn wesentlich besser angeordnet als mitten in der Stadt, umgeben von Wohngebieten. Eine Vielzahl an LKW-Fahrten durch die Stadt würden entfallen und das bisherige Betriebsgelände könnte dringend benötigten Wohnraum für zahlreiche Bürgerinnen und Bürger bieten, darunter mehrere hundert Sozialwohnungen – und das ohne Neuversiegelung von Flächen.

Das Gutachten, so das Fazit, empfehle die geplante Betriebsverlagerung, sofern sie an folgende Bedingungen geknüpft sei:

  • Begrenzung der künftigen Gewerbeflächen unter Erhalt der wertvollen Bestände im Süden des Untersuchungsgebietes

  • Vertragliche Verpflichtung zur zeitnahen Bebauung des Geländes durch die Firma ABL (Vermeidung von langfristiger Nichtnutzung gewerblicher Flächen wie im Gewerbegebiet Süd)

  • Vertragliche Verpflichtung zur Entwicklung des bisherigen Betriebsstandorts als Wohnbaufläche gemäß den Vorgaben der Stadt Lauf, möglichst unter Teilschaffung von Flächen für sozialgeförderte Wohnungen.


„Wir sind uns unserer Verantwortung für den Umwelt- und Klimaschutz durchaus bewusst und gehen ganz gewiss auch sorgsam mit den uns zur Verfügung stehenden Flächen um“, betonte Bürgermeister Thomas Lang.  

Gleichwohl wolle man aber ebenso den Standort Lauf stärken und die Stadt nachhaltig weiterentwickeln – „und dazu brauchen wir Gewerbezweige, die auf der Höhe der Zeit stehen, und zukunftsträchtige Industriebetriebe wie ABL, die mit modernen Technologien Innovation befördern und damit wichtige Impulse für die Region und darüber hinaus geben.“ Sollte der Antrag der Stadt Lauf auf Eingliederung des betreffenden Areals bewilligt werden, gelte es also, eine verantwortungsvolle Abwägung  zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und nicht zuletzt auch sozialen Interessen zu treffen.



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