Rathaus-Meldungen
18.07.2018

Refugees welcome – aber wie geht es weiter?

Stadt Lauf lud zur Zukunftswerkstatt für die berufliche Integration von Flüchtlingen ein


Die Teilnehmer der ersten Zukunftswerkstatt für die berufliche Integration von Flüchtlingen im Sitzungssaal des Laufer Rathauses. (Foto: Hiller)

Die Teilnehmer der ersten Zukunftswerkstatt für die berufliche Integration von Flüchtlingen im Sitzungssaal des Laufer Rathauses. (Fotos: Hiller)

In kleinen Gruppen wurden verschiedene Themen erörtert.

„Refugees welcome – aber wie geht es weiter?“, war eine der Fragen, die schon beim Empfang für haupt- und ehrenamtliche Asylhelfer, zu dem die Stadt Lauf Anfang des Jahres in die Kaiserburg eingeladen hatte, diskutiert worden war. Wie schaffen wir Perspektiven für die Flüchtlinge, die hier leben, und wie helfen wir ihnen dabei, in unserer Gesellschaft anzukommen?

Zweifelsohne seien (Aus-)Bildung und die Teilhabe am Erwerbsleben wichtige Schlüssel zur Integration, so Bürgermeister Benedikt Bisping, der die Eingliederung der Migranten ins Arbeitsleben als eine der Kernaufgaben der Flüchtlingspolitik sieht.
Wie diese gelingen kann, erörterten nun die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ersten Zukunftswerkstatt für die berufliche Integration von Flüchtlingen, darunter Mitglieder des Helferkreises Asyl und des Stadtrats, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Fachbereichen der Stadtverwaltung und des Landratsamts sowie Vertreter der IHK Mittelfranken, der Volkshochschule Unteres Pegnitztal und des Jobcenters Nürnberger Land, mit ortsansässigen Ausbildern und Arbeitgebern.

Erfahrungsberichte von Ausbildern und Arbeitgebern


„Integration ist kein Sprint, sondern ein Marathonlauf“. Mit dieser schon oft zitierten sportlichen Metapher stieg die Moderatorin des Abends, Eleonore Birkenstock vom Bayerischen Rundfunk ins Thema ein und stellte unter anderem folgende Fragen in den Raum: „Was ist von dem Schwung und dem Elan aus dem Jahr 2015 übrig geblieben? Wie lässt es sich weitermachen, wenn der Beifall nachlässt und mehr und mehr Akteure ausscheiden? Wie reagiert man auf Regeländerungen bzw. neue gesetzliche Vorgaben? Reicht die Kraft aus, um alle Hürden zu überspringen? Und woher kommt neue Motivation, wenn die Energie nachlässt?

Mut machen zweifelsohne die Berichte von Henrike Oeke von der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe, Bernd Bürner von der hekra Kälte- und Klimatechnik GmbH, Andreas Kornek von Stocker’s Backstube und Bernd Birkmann von Birkmann Haustechnik die im Sitzungssaal des Laufer Rathauses von ihren Erfahrungen mit Auszubildenden und Mitarbeitern mit Migrationshintergrund erzählten. Denn das Fazit der Referenten, die stellvertretend für zahlreiche Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Handwerksbetriebe, die sich in Lauf für die Integration von Flüchtlingen engagieren, stehen, war durchweg positiv.

Engagiert, zuverlässig und gut ins Team integriert

Zwischen 19 und 35 Jahre alt sind die Neueinsteiger in ihren Ausbildungsstätten und Betrieben. Darunter zwei Auszubildende zum Pflegefachhelfer aus Äthiopien, ein Auszubildender zum Anlagenmechaniker Sanitär, Heizung, Klima aus Syrien und zwei angehende Mechatroniker für Kältetechnik aus Syrien und dem Irak sowie ein Kurde und ein Iraker, die in der Produktion tätig sind und ein syrischer Mitarbeiter im Schaltschrankbau. Alle, so die Ausbilder und Arbeitgeber, seien sehr engagiert und zuverlässig und hätten sich – auch wenn es zum Teil von Seiten der Belegschaft zunächst Vorbehalte gegeben habe – sehr gut in das Team integriert. Doch die Tatsache, dass die Bleibeperspektive der Migranten oft nicht geklärt sei, sei ein Problem.

Das war auch eines der Themen der Workshops im Anschluss, in denen in kleinen Gruppen unter den Schlagworten „Bedarf“, „Beruflich anerkannt?“, „Bildungsweg“ und „Begleitung“ Erfahrungen ausgetauscht, Ideen gesammelt und Handlungsstrategien entworfen wurden. Kritik gab es für die sogenannte „3+2-Regelung“, die nicht greife, weshalb man für ein Leistungsprinzip plädiere: Wer in seiner Ausbildungszeit und bei der beruflichen Tätigkeit Einsatzfreude zeige und gute Arbeitsergebnisse vorzuweisen habe, solle eine Aufenthaltserlaubnis bekommen.

Erwerb der deutschen Sprache als Grundvoraussetzung

Einigkeit herrschte auch darüber, dass der Erwerb der deutschen Sprache für eine gelingende berufliche Integration unerlässlich sei – nicht nur um Arbeitsanweisungen und Sicherheitsvorschriften zu verstehen, sondern auch, um dem berufsbegleitenden Unterricht folgen zu können. Hier wünsche man sich weitere Lehrkräfte, um vor allem in den Berufsschulen zusätzliche Sprachkurse anbieten zu können sowie mehr Gelder für entsprechende Lehrmittel.

Nicht nur in diesem Punkt fühle man sich von der Bundesregierung oft im Stich gelassen. Sich immer wieder ändernde Rahmenbedingungen – Stichwort Einwanderungsgesetz – und das Fehlen bundeseinheitlicher Regelungen, wie zum Beispiel bei der Anerkennung von ausländischen Führerscheinen, erschwerten die Integrationsarbeit.

Umso wichtiger sei eine enge Vernetzung der Kommunen und Landratsämter mit lokalen Bildungsträgern, Handwerksbetrieben und Unternehmen, haupt- und ehrenamtlichen Kräften sowie ortsansässigen Vereinen, Einrichtungen und Organisationen, die – so kam Eleonore Birkenstock noch einmal auf ihr Eingangszitat zurück „Hand in Hand laufen sollten, um die Menschen so gut wie möglich ins Ziel zu bringen. Denn Integration ist kein Langstrecken-, sondern vielmehr ein Hürdenlauf“.



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