ZeitenLauf - Leseprobe Band 4

Ausschnitt aus dem zweiten Kapitel

"1355: Die stat zu Lauffn". Vor 650 Jahren wird Lauf erstmals als Stadt bezeichnet"

Foto: Leseprobe Band 4, Die stat zu Lauffn

Der Wandel Laufs vom Markt zur Stadt erfolgte nicht schlagartig von heute auf morgen, er war vielmehr das Ergebnis einer langen Entwicklung, die im 13. Jahrhundert einsetzte und mit dem Jahr 1355 noch keinesfalls zum Ende gekommen war. Vieles, was den städtischen Charakter ausmacht, wurde erst in den nachfolgenden Jahrzehnten verwirklicht. Ein Rundgang durch die heutige Altstadt verdeutlicht dies.

 

Der älteste Siedlungsteil, das im 11. Jahrhundert entstandene Dorf, erstreckte sich in ursprünglich lockerer Bauweise auf dem zur Pegnitz abfallenden Gelände zwischen der Johanniskirche und dem heutigen Komplex des Kindergartens "Alter Schulhof". Obwohl hochwassergefährdet, wurde die Nähe zum Fluss wohl bewusst gewählt, denn die dörfliche Keimzelle Laufs stand in enger Verbindung zu den Mahlwerken. Um 1275 bestanden vier Mahlmühlen, bis zur ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hatten sich bereits sechs Hämmer dazu gesellt. Sie lagen zu beiden Seiten des Flusses an der Gefällstrecke des Laufen, den Flussübergang stellte eine Furt her, die bereits um 1376 durch eine Holzbrücke ersetzt worden war. Darüber verlief auch der alte Fernweg von Forchheim nach Regensburg. In Sichtweite des Übergangs und des Dorfes erhob sich die Burg auf der Pegnitzinsel, die auf Betreiben des Kaisers auf den Resten der Vorgängerin 1360 neu entstand. Ihr war am Südufer der Pegnitz eine Vorburg mit Wirtschaftshof, Landwirtschaft und Fischerei vorgelagert. Die Burg diente dem Kaiser als sicherer und repräsentativer Aufenthaltsort in seinem böhmischen Territorium, die Qualität ihrer Architektur und der Zuschnitt der Räume lassen jedoch die Vermutung zu, dass sie ursprünglich auch als Nebenresidenz gedacht war. Zugleich war sie ständiger Amtssitz des Pflegers, der zumeist auch die Funktion des Richters hatte. Der Pfleger als Vertreter des Landesherrn vor Ort war für den Einzug der Einkünfte aus den zur Burg gehörenden Lehen und dem Geleitszoll verantwortlich.

 

An den ursprünglichen Siedlungskomplex Dorf-Burg-Mühlen hatte sich bereits im 13. Jahrhundert auf dem nördlichen Hochufer des Flusstales der Markt angeschlossen. Der von den Ackerbürgerhäusern umgebene zentrale Handelsplatz orientierte sich an der zunehmend bedeutsamen Handelsstraße Nürnberg-Prag. Im Marktplatz als Mittelpunkt des gewerblichen Lebens fand das Marktrecht seinen sichtbaren Ausdruck, das zu den wichtigsten Voraussetzungen der Stadtentwicklung gehörte. Karl IV. hat dieses Marktrecht durch den 1355 gewährten weiteren Wochenmarkt noch gestärkt. Rund um den Marktplatz waren Handwerksbetriebe angesiedelt, deren Vielfalt und Spezialisierung das bescheidene Angebot dörflicher Handwerker bei weitem übertraf. Diese Entwicklung zur Differenzierung in Handwerk und Dienstleistung nahm in der städtischen Epoche Laufs noch weiter zu. Neben Schlossern, Schmieden, Maurern, Schreinern, Zimmerern, Färbern, Schneidern, Schustern, Hafnern, Bäckern und Metzgern arbeiteten in der Stadt Lauf auch Gerber, Sattler, Wagner, Drechsler, Büttner, Melber (Mehlhändler), Pfragner (Krämer), Glaser, Bierbrauer, Fuhrleute, Viehhändler und Bader.

 

Im Zentrum des nach bayerischem Schema angelegten Straßenmarktes stand das Rathaus. Im Erdgeschoss befand sich die Markthalle mit den Ständen der Bäcker und Metzger, in späteren kleinen Anbauten, sogenannten "Krämen", waren Verkaufsstellen untergebracht, zum Beispiel die "alte Apotheke", eine Art Kräuterladen und Drogerie. Im Parterre des Rathauses befand sich aber auch die Stadtwaage, und die geeichten Hohlmaße und Gewichte wurden dort aufbewahrt. Die der bayerischen Marktanlage eigene freistehende Stellung des Rathauses versinnbildlicht besonders augenfällig den Ort, an dem die Geschicke des Gemeinwesens bestimmt wurden. Hier tagte im 1. Stock der von den Bürgern gewählte Rat, hier trat das Gericht zusammen, wenn es nicht seine Sitzungen nach altem Rechtsbrauch im Freien auf dem Marktplatz selbst abhielt, um eine größere Öffentlichkeit zu ermöglichen.

 

Da die städtische Registratur im Markgrafenkrieg 1553 vernichtet wurde, liegen gesicherte Erkenntnisse über das Wahlverfahren und die Zusammensetzung des Laufer Ratsgremiums erst aus dem 16. Jahrhundert vor. Man kann jedoch davon ausgehen, dass sich bereits zur Zeit der Stadtwerdung ein Innerer und ein Äußerer Rat bildeten, 1374 wurde erstmals ein Bürgermeister erwähnt. Dem Inneren Rat gehörten sieben Bürger an. Ihm oblagen die Führung der Ratsgeschäfte, die Vertretung der Bürgerschaft nach außen, die Vermögensverwaltung, Besteuerung und Haushaltsführung, die Aufsicht über die öffentliche Ordnung. Der Äußere Rat der "Vierer" bestand aus vier gewählten Bürgern. In grundlegenden und schwerwiegenden Entscheidungen wurde er mit zugezogen, ansonsten bildete er die Vertretung der Gesamtgemeinde gegenüber dem Inneren Rat. Er trat wohl an die Stelle der ursprünglich üblichen Gesamtversammlung der Bürgerschaft, deren Einberufung jedoch mit zunehmendem Wachstum des Marktes und dann der Stadt immer umständlicher wurde. Der äußere Rat hatte auch Kontrollfunktion, dies kam vor allem bei der jährlichen Prüfung und Genehmigung der Stadtrechung zum Ausdruck.

 

Je mehr die städtische Entwicklung voranschritt, desto differenzierter gestaltete sich die Verwaltung. Das Personal bestand aus Wächtern, Torsperrern, Stadtknechten, Flurhütern, Zöllnern, Steuereinnehmern, Hirten, dem Stadtschreiber, dem Baumeister, der Hebamme und dem Totengräber. Im 16. und 17. Jahrhundert kamen weitere Bereiche hinzu. Die Aufgabenfülle verlangte schließlich auch die Zuteilung einzelner Ressorts wie Bauwesen, Stiftungsverwaltung, Almosen, Kämmerei an die Mitglieder des Rats. Den städtischen Bediensteten wurden teilweise Wohnungen in den Torhäusern oder Mauertürmen zur Verfügung gestellt. Im Nürnberger Tor befand sich neben der Stadtknechtswohnung auch die Fronveste, das Stadtgefängnis.

 

In einem Hof an der Ostseite des Marktes, im heutigen Münzhof, entstand die landesherrliche Münze, die erstmals 1360 Erwähnung findet und die bedeutendste Münzstätte im neuböhmischen Gebiet war. Der Münzmeister war Bediensteter der böhmischen Krone, die Einrichtung selbst stellte aber für Lauf eine beachtliche Förderung seiner Wirtschaftskraft und eine Stärkung seines zentralörtlichen Charakters dar.

Foto: Spitalstraße

Verlässt man den Marktplatz durch die Johannisstraße, die Burg- oder Lukasgasse oder die Barthstraße nach Süden in Richtung Pegnitz, so fällt sofort das wechselnde Stadtbild auf. Die behäbigen, zumeist giebelständigen Ackerbürgerhäuser der beiden Marktzeilen sucht man "um die Ecke herum" vergeblich, nur die Spitalstraße mit ihrem "Plätzlein" macht da eine Ausnahme. Der Markt als Hauptplatz der Stadt war auch das Wohnquartier der wohlhabenden Ratsbürger, der Familien also, die oft über Generationen hinweg öffentliche Ämter besetzten. Nebenan aber in den Gassen wohnten die kleinen Handwerker in weitaus bescheideneren Häuschen mit winzigen Hinterhöfen, die oft nur Kleintierhaltung zuließen. Dicht gedrängt stehen die Anwesen in durch begrenzende Gassen geordneten Blöcken beieinander, eine Struktur, die sich von der offenen Siedlungsweise eines Dorfes gänzlich abhebt. Inwieweit das heute bestehende Bebauungsraster der Altstadt noch den ursprünglichen Vorgaben des Mittelalters entspricht, lässt sich nicht sagen, denn die Totalzerstörung des Zweiten Markgrafenkrieges ging darüber hinweg. Es könnte durchaus möglich sein, dass man beim Wiederaufbau die Fronten des Marktplatzes etwas zurückgenommen und den Verlauf mancher Gasse etwas verändert hat, doch die Grundstruktur dürfte noch auf die ursprüngliche Stadtanlage zurückgehen.

 

Am äußersten Ostrand der alten Laufer Dorfsiedlung entstand nur ein Jahr nach Ende der böhmischen Epoche 1374 das Spital auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofes. Die von dem Nürnberger Ehepaar Hermann und Elsbeth Keßler gestiftete Einrichtung stellte die erste karitative Einrichtung in der noch jungen Stadt dar. Die ebenfalls aus dem Mittelalter stammende Almosenstiftung und das Seelhaus für alleinstehende ältere Frauen waren weitere Bestandteile des sozialen Netzes, das in einer städtischen Gesellschaft geknüpft wurde und in einer Dorfgemeinde völlig unbekannt war. Die Spitalkirche St. Leonhard wurde 1375 Sitz der Pfarrei. Bis dahin hatte Lauf, obwohl bereits seit längerem Markt und nun Stadt, immer noch zu seiner Muttergemeinde Neunkirchen am Sand gehört. Dieser Umstand ist wohl auch ein deutlicher Hinweis darauf, dass Lauf finanziell noch nicht in der Lage war, größere Gemeinschaftsaufgaben wie den Bau eines Pfarrhauses und die Besoldung eines Geistlichen zu bewältigen. Auch die erwähnte Vergünstigung eines zweiten Wochenmarktes, damit sich Lauf "umso mehr verbessern möge", deutet ja darauf hin, dass es der angehenden Stadt noch etwas am "Aufschwung" fehlte. Durch die großzügige Stiftung des Spitals kam Lauf nun auch in den Genuss, eigene Pfarrei zu werden und seinen Charakter als Stadt auch im kirchlichen Bereich zu festigen. Dieses unverhoffte Geschenk mussten die Laufer freilich so annehmen, wie es sich die Stifter gedacht hatten. So wurde die Spitalkirche Stadtpfarrkirche, während die bisherige Kapelle St. Johannis als Filiale der Spitalpfarrei unterstellt wurde. Die Begräbnisstätten befanden sich bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts auf den beiden Friedhöfen um St. Leonhard und St. Johannis. Mit der Spitalstiftung war auch die Begründung des Schulwesens verbunden, das allerdings erst im 16. Jahrhundert als Folge der Reformation leistungsfähig ausgebaut wurde.

 

Landläufig sieht man es als eine wichtige Eigenschaft einer mittelalterlichen Stadt an, dass sie eine solide Befestigung besitzt. In der Tat zeigt sich dabei ein deutlicher Unterschied zum Dorf, das höchstens über eine befestigte Wehrkirche als festen Ort verfügte. Über den Umfang und den Zustand der Befestigung des bisherigen Marktfleckens Lauf ist nichts bekannt. Sie dürfte ausschließlich die Bebauung um den Marktplatz umzogen haben und bestand möglicherweise nur aus Graben und Palisadenzaun. Die Befestigung der Stadt, deren Verlauf auch heute noch am Umriss der Altstadt und den vorhandenen Mauer- und Grabenresten sowie den Toren gut erkennbar ist, stellte eine beachtliche Gemeinschaftsleistung der Laufer Bürgerschaft dar. Mit einer Länge von mehr als 850 Metern, ausgestattet mit Steinmauer, Wehrgang und Graben, umschloss sie nun den Marktflecken, den neugeschaffenen Spitalkomplex und das bisher ungeschützte Dorf, nur die Mühlen blieben "außen vor". Erst die Stadtbefestigung fügte die bis dahin getrennt bestehenden Siedlungen Dorf und Markt zu einem Gemeinwesen, zur Stadt Lauf, zusammen. Der dörfliche Charakter des ältesten Ortsteils am Fluss ging durch Überbauung mit kleinbürgerlichen Handwerkerhäusern nach und nach verloren.

 

Verschiedene urkundliche Nachrichten lassen darauf schließen, dass an der Stadtbefestigung über einen längeren Zeitraum hinweg gearbeitet wurde. Immerhin ist bereits 1374 in Zusammenhang mit der Errichtung des Spitals von der "Ringmauer" die Rede. Bereits 1372 gestattete Karl IV. den Laufer Bürgern, die teilweise von Wasser durchflossenen Stadtgräben als Fischweiher zu nutzen. 1394 ging es aber immer noch um die Finanzierung der Stadtbefestigung, Herzog Stefan III. ermöglichte es der Bürgerschaft, das Umgeld, die örtliche Getränkesteuer, für den Unterhalt der Befestigung zu verwenden. Kriegseinflüsse und der alterungsbedingte Verfall ließen die Stadtbefestigung ohnehin zu einem ständigen Ausgabeposten der Stadtkämmerei werden. Außerhalb der Mauern lagen aufgereiht an der Gefällstrecke des Flusses die Mühlen und Hämmer, es entwickelten sich aber auch langsam Ansiedlungen entlang der drei Verkehrsrouten Richtung Nürnberg (Untere Vorstadt), Hersbruck (Obere Vorstadt) und Altdorf (Wassertorvorstadt). Diese Vorstädte, vorwiegend aus locker bebauten Häuserzeilen zu beiden Seiten der Straßen bestehend, besaßen keinerlei Schutz durch Mauern oder Gräben. Sie wurden auch niemals durch Stadterweiterung in die ummauerte Innenstadt einbezogen, wie dies bei anderen Städten geschah (Altdorf, Hersbruck, Gräfenberg, Höchstadt a. d. Aisch). Die aus Gründen des Brandschutzes in die Vorstädte "ausgelagerten" Scheunenviertel - in Resten heute noch an der Simonshofer, Altdorfer und Bergstraße erhalten - dürften jedoch erst im 16. Jahrhundert entstanden sein. An weiteren Gebäuden vor der Stadt sind im Mittelalter nur noch das Hirtenhaus als Wohnung des städtischen Viehhirten, das Siechenhaus zur Unterbringung der "Sondersiechen", die an ansteckenden Krankeiten litten, und das Schießhaus als Übungsstätte der Schützen zu nennen. Der Umgang mit der Armbrust war nicht nur ein geselliger Sport, sondern Teil der Bürgerpflicht. Die Laufer Bürger mussten in der Lage sein, ihre Stadt selbst zu verteidigen. Erst am Ende des Mittelalters entstand auf der Anhöhe nördlich der Stadt die Wallfahrtskapelle St. Kunigund mit dem benachbarten Bruderhaus. Da die mittelalterlichen Dokumente und Registraturbestände der Stadt seit dem Markgrafenkrieg verloren sind, kann man gerade über die Entwicklung der Vorstädte nur Vermutungen anstellen und Rückschlüsse ziehen.

 

Da sich Lauf aus einem Dorf und einer Marktsiedlung von Ackerbürgern entwickelt hatte, umfasste der Einzugsbereich der jungen Stadt auch Flurgrundstücke zu beiden Seiten der Pegnitz, Nutz- und Baumgärten, Weiher, Wiesen und Felder. Sie gehörten als Eigentum zu den einzelnen Bürgeranwesen oder sie waren als Wälder, Weideland oder Flächen mit Sondernutzung Gemeinbesitz, an dem den einzelnen Bürgern ein Nutzungsanteil zustand.

 

Die althergebrachten Flurbezeichnungen der Gemarkung Lauf verraten noch heute die ursprüngliche Nutzung und Bedeutung der einzelnen Flurstücke. "Erbsenboden", "Am Steinbruch" oder "Kuhtrieb" sind dafür Beispiele. Vorstädte, Mahlwerke und Feldflur lagen zwar außerhalb der ummauerten Stadt, gehörten aber zum Burgfrieden, dem städtischen Rechts-, Steuer- und Verwaltungsbezirk. Er reichte von Haberloh und Wasach im Norden über den Unterlauf des Bitterbachs und das Reis im Westen bis in die städtische Nässenauwaldung im Süden, Schillinganger und Siechenloh bildeten die Ostgrenze. "Burckgeding" oder "Purchfried" bezeichneten also das Gebiet, in dem das Stadtrecht Gültigkeit besaß und somit auch ein besonderer Rechtsschutz bestand, das Austragen von Fehden und die Anwendung von Gewalt waren strengstens untersagt. Der Burgfrieden ermöglichte den Stadtbewohnern im Vergleich zum "flachen Land" ein weitaus sichereres Leben, er gewährte auch den Durchreisenden Schutz und bot somit beste Voraussetzungen für die Abhaltung von Märkten.

 


 

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