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06.11.2019

Goldene Bürgermedaille der Stadt Lauf für Baldur Strobel

Vorsitzender der Altstadtfreunde engagiert sich seit mehreren Jahrzehnten die Kultur- und Denkmalpflege


(Foto: Hiller)

(Foto: Hiller)

„Kulturdenkmäler (…) spiegeln unsere Identität und unsere Heimat. Sie sind die Stimme einer Region im Konzert der Kulturlandschaften und Länder“ – so hat die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, einmal gesagt.

Einer, der in diesem „Konzert der Kulturlandschaften“ schon seit mehreren Jahrzehnten mitspielt, ist Baldur Strobel – nicht als Solist, sondern im Ensemble des Vereins Altstadtfreunde Lauf, dem er seit 1991 angehört und seit fünfzehn Jahren vorsteht.

Unendlich viele Arbeitsstunden und jede Menge Herzblut haben er und die Vereinsmitglieder in dieser Zeit investiert, um Laufer Kulturdenkmäler zu erhalten und die Geschichte der Pegnitzstadt erlebbar zu machen – eine Leistung, für die dem 76-Jährigen nun im Rahmen einer Sondersitzung des Stadtrats von Bürgermeister Benedikt Bisping die Goldene Bürgermedaille verliehen wurde.

Empfang in der Laufer Kaiserburg

Nicht nur Mitglieder des Stadtrats und der Altstadtfreunde waren zu dem Empfang, der erstmalig im Kaisersaal der Laufer Burg stattfand, gekommen. Auch die stellvertretende Landrätin Cornelia Trinkl, der Ehrenbürger und Altbürgermeister Rüdiger Pompl sowie die beiden anderen Träger der Goldenen Bürgermedaille, Heinz Lausch und Helmut Glimpel, feierten mit Baldur Strobel, seiner Familie, Freunden und Weggefährten die Auszeichnung.

Kaum ein anderer habe sich für die Kultur- und Denkmalpflege in Lauf eingesetzt wie Strobel, wie Bürgermeister Benedikt Bisping in seiner Laudatio ausführte. Der gebürtige Nürnberger, der von 1971 bis 2007 am CJT-Gymnasium Mathematik und Physik unterrichtete, sei kein Theoretiker, sondern ein Macher, der stets mit anpacke, wenn es ums Mit- und Neugestalten gehe.

Schon in den 1980er Jahren habe er mit seinen Schülerinnen und Schülern die örtlichen Felsenkeller erkundet und Projekte wie den Bau eines großen Lehm-Steinzeitbackofens, eines Amphitheaters oder eines Keltenhauses auf dem Schulgelände initiiert und begleitet.

Vorzeigeprojekte der Altstadtfreunde

„Sie waren und sind stets dabei, wenn es zu zeigen gilt, wie unsere Vorfahren lebten und arbeiteten (…) und unter Ihrer Regie wurde vieles auf den Weg gebracht“, lobte der Bürgermeister.

Nicht zuletzt dank der Tatkraft der Altstadtfreunde habe sich das Laufer Industriemuseum zu einem in der Region einzigartigen Dokumentations- und Kulturzentrum etabliert. Zudem habe sich der Verein für die Sanierung des Johanniskirchturms und des Fundaments der Kunigundenkirche engagiert und spende die Einnahmen aus seinen Flohmärkten und diversen Führungen durch Kulturdenkmale in der Altstadt für gemeinnützige Zwecke – „oder dafür, Lauf noch etwas schöner zu machen“.

Als besondere „Vorzeigeprojekte“ wurden die Laufer Felsenkeller und die Reichel’sche Schleif genannt. Monatelang habe Baldur Strobel mit den Vereinsmitgliedern und anderen ehrenamtlichen Helfern daran gearbeitet, die Felsenkeller wieder zugänglich zu machen. Auf seine Initiative sei auch die Schleifmühle Reichel, eine bis zur Stilllegung mit Wasserkraft betriebene Stahlwarenschleiferei, von den Altstadtfreunden angemietet worden. Nach aufwändigen Sanierungsarbeiten – teilweise in Projektarbeit mit Schülerinnen und Schülern des Laufer Gymnasiums – sei sie 2007 von der Stadt Lauf erworben worden und werde nun von den Altstadtfreunden ehrenamtlich gepflegt und unterhalten. Das vor einigen Jahren restaurierte Wasserrad, für das der Verein seinerzeit zu einer Spendenaktion aufgerufen hatte, gehöre heute zu den beliebtesten Fotomotiven in der Pegnitzstadt, so der Bürgermeister – ebenso wie Baldur Strobel, wenn er bei Vorführungen in der Museumsschleiferei die von den Besuchern mitgebrachten Messer und Äxte schärfe.

Publikationen zur Stadtgeschichte

„Sie und Ihre Vereinskollegen haben mit Ihrer Arbeit und Ihren Ideen das Gesicht Laufs mitgeprägt und unsere Stadtgeschichte lebendig werden lassen“, so der Bürgermeister. Strobel sei gleichzeitig Chronist, Denkmalschützer, Kulturfreund und Tourismusförderer – „und das alles ehrenamtlich und aus eigenem Antrieb“. Nicht nur von Berufs wegen verfüge er über das nötige pädagogische Talent, um Wissen zu vermitteln und andere zum Mitmachen zu bewegen. So habe er beispielsweise im Rahmen des Projekts „Denkmal aktiv“ am CJT-Gymnasium junge Leute für die Bedeutung der heimischen Kulturdenkmäler sensibilisiert und mit seinen Publikationen „Die Wappen in der Burg zu Lauf an der Pegnitz“, „Unter den Häusern. Entdeckungen am Ostende des Laufer Marktplatzes“ und „Bürgerhäuser und Villen in Lauf an der Pegnitz“ viele Menschen für die Laufer Stadtgeschichte zu interessieren gewusst.

Das bestätigte auch Cornelia Trinkl, die Baldur Strobel als einen „Idealisten im positiven Sinne“, ein „tolles Vorbild“ und einen „Botschafter für Lauf und den gesamten Landkreis“ bezeichnete. „Wir können stolz darauf sein, über welche Perlen wir mit Bauwerken wie der Kaiserburg verfügen und sollten uns gemeinsam dafür stark machen, unser kulturelles Erbe zu erhalten“, betonte die stellvertretende Landrätin. Und hier sei das Engagement von Menschen wie Baldur Strobel unschätzbar, da er es verstehe, auch Kinder und Jugendliche für die Projekte der Altstadtfreunde zu begeistern.

Leidenschaft, Energie und Optimismus

Viel Lob gab es von den Laudatoren – darunter auch die zweite Vorsitzende der Altstadtfreunde, Monika Pöhlmann – für die Leidenschaft und Energie mit denen sich Strobel seinen Aufgaben widme. Er sei stets dazu bereit, sich persönlich einzubringen, gehe Herausforderungen ruhig und gelassen, gleichzeitig aber auch dynamisch an und punkte mit seinem Optimismus, seinem fast grenzenlosen Einfallsreichtum und einem unverwechselbaren Humor.

Den stellte Strobel, der im Anschluss an die Verleihung das Wort ergriff, dann auch gleich unter Beweis: „Endlich darf ich in einer offiziellen Stadtratssitzung auch einmal das Wort ergreifen. Das werde ich ausnutzen.“

Ein ganz großes Dankeschön richtete er an seine Vereinskollegen. Er sei zwar der Vorsitzende der Altstadtfreunde – „Wenn etwas schief läuft, muss ich den Kopf hinhalten, wenn etwas gut läuft, bekomme ich den Preis“ – tatsächlich seien die Projekte und Aktivitäten aber Gemeinschaftsleistungen: „Und mit so einem wunderbaren Team schafft man vieles!“ Eine ganz besondere Rolle bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit habe auch seine Frau Elfriede gespielt, die sich zwar im Hintergrund gehalten, ihn aber immer voll und ganz unterstützt habe.

Persönliche Kontakte und Beziehungen

„Hier in meinem direkten Umfeld habe ich vielleicht das eine oder andere erreicht“, so Strobels Fazit. Besonders schätze er die persönlichen Kontakte und Beziehungen, die im Laufe der Zeit entstanden und gewachsen seien. Ob es die Schülerin war, die er bei Liebeskummer getröstet habe, der Schüler, der eine Klasse wiederholen musste und dank seines Zuspruchs neuen Mut fasste – oft seien es gerade die scheinbar kleinen Dinge, die im Gedächtnis blieben. „Und wenn ich junge Leute positiv beeinflussen und dazu motivieren konnte, sich mit Freude und Tatkraft für eine Idee oder ein gemeinsames Ziel einzusetzen, dann freut mich das sehr.“

Drei junge Leute – die Schwestern Clara, Magdalena und Katharina Arantes aus Feucht – übernahmen auf Baldur Strobels Wunsch auch die musikalische Gestaltung des Abends und sorgten mit Werken für Violine, Viola und Violoncello von Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart und Ignaz Pleyel für einen stimmungsvollen Rahmen für die Ehrung. Und die solle noch nicht den Schlusspunkt für Strobels Engagement setzen, wie er versprach. Auch wenn er im kommenden Jahr das Amt des Vereinsvorsitzenden abgeben wolle, werde er nicht „wie ein Drache auf der Goldenen Bürgermedaille sitzen“, sondern auch weiterhin aktiv sein: „Meinen drei Faibles – den Felsenkellern, der Reichel‘schen Schleifmühle und natürlich meiner Frau – bleibe ich treu!“




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