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24.09.2019

Stadt erhält die begehrte Zertifizierung „Fairtrade-Town“

Lauf feiert den fairen Handel


Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz, Bürgermeister Benedikt Bisping und Dr. Heinrich Schächtele, Alexandra Schwab und Martin Grand von der Steuerungsgruppe "Fairtrade Stadt Lauf" bei der Urkundenübergabe (v.l.n.r.) (Foto: Müller)

Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz, Bürgermeister Benedikt Bisping und Dr. Heinrich Schächtele, Alexandra Schwab und Martin Grand von der Steuerungsgruppe "Fairtrade Stadt Lauf" bei der Urkundenübergabe (v.l.n.r.) (Foto: Müller)

„Die Arbeit beginnt jetzt erst richtig“, sagte Dr. Heinrich Schächtele, Sprecher der Steuerungsgruppe, in seiner Rede. (Foto: Müller)

„Die Arbeit beginnt jetzt erst richtig“, sagte Dr. Heinrich Schächtele, Sprecher der Steuerungsgruppe, in seiner Rede. (Foto: Müller)

Für die musikalische Umrahmung sorgten Schülerinnen der Städtischen Sing- und Musikschule unter der Leitung von Meike Schüttrich. (Foto: Müller)

Für die musikalische Umrahmung sorgten Schülerinnen der Städtischen Sing- und Musikschule unter der Leitung von Meike Schüttrich. (Foto: Müller)

Die Stadt Lauf hat im September die begehrte Zertifizierung „Fairtrade-Town“ erhalten. Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz übergab die Urkunde an Bürgermeister Benedikt Bisping und Dr. Heinrich Schächtele, Alexandra Schwab und Martin Grand von der Steuerungsgruppe "Fairtrade Stadt Lauf". Fairtrade-Towns fördern den fairen Handel auf kommunaler Ebene und sind das Ergebnis einer erfolgreichen Vernetzung von Akteuren aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft, die sich gemeinsam lokal für den fairen Handel stark machen. Die Pegnitzstadt ist die 170. Kommune in Bayern, die eine Fairtrade-Auszeichnung bekommt.

„Die Moral endet nicht am Regal“

Das Konzept der Kampagne brachte Manfred Holz in seiner Laudatio auf den Punkt: „Die, die uns den Tisch decken, sollen auch selbst satt werden.“ Für den Konsumenten bedeute dies: „Die Moral endet nicht am Regal. Fair ist, nicht billig einzukaufen, wofür andere teuer bezahlen“. Dabei sei fairer Handel nichts anderes als "aktive Fluchtursachenbekämpfung", so Holz. Wer morgen eine solidarische Welt mit weniger Hunger und Armut wolle, müsse sich heute schon für mehr sozialen Ausgleich, Gerechtigkeit und Frieden einsetzen.

Fair, regional und saisonal

Im Jahr 2018 gingen in Deutschland Fairtrade-Produkte im Wert von 1,6 Milliarden Euro über die Ladentheke, was einem Umsatz-Plus von 22 Prozent entspricht. Im Durchschnitt gab jeder Deutsche aber nur 19 Euro für Produkte mit Fairtrade-Siegel aus. „Der faire Handel wächst, aber er wächst nicht schnell genug“, erklärte Holz.

„Wir müssen bei den Fragestellungen, die die Gegenwart und Zukunft berühren, Ökologie, Ökonomie, soziale und kulturelle Aspekte berücksichtigen“, sagte Landrat Armin Kroder in seiner Rede und rief die Zuhörinnen und Zuhörer dazu auf, das eigene Kauf- und Konsumverhalten zu hinterfragen. „Wer fair, regional und saisonal einkauft, hat die Möglichkeit, einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit zu leisten.“

Wie der erste faire Kaffee nach Lauf kam

Dr. Heinrich Schächtele, Sprecher des Steuerungskreises, nahm die Veranstaltung zum Anlass, einen Blick zurück in die Geschichte zu werfen. „Bereits im Jahr 1979 begann der Handel mit fairen Produkten in Lauf“, legte er dar. „Damals verkaufte die Laufer Ortsgruppe von Amnesty International den ersten fairen Kaffee in der Pegnitzstadt. 1991 kam es innerhalb der evangelischen Kirchengemeinde zur Gründung eines Eine-Welt-Arbeitskreises. Die Mitglieder organisierten einen mobilen Verkaufsstand auf dem Wochenmarkt, der im Laufe der Jahre zum Eine-Welt-Laden heranwachsen sollte. Seit 2009 ist Lauf Mitglied im Netzwerk “Cittá del Bio“. Wussten Sie, dass 75 bis 80 Prozent der fair gehandelten Lebensmittel sind auch bio-zertifiziert sind? Zwischen “bio“ und “fair“ gibt es also eine erhebliche Schnittmenge – das passt gut!“ Weitere, teils noch ältere Initiativen, darunter das Hans-Bößner-Hilfswerk, der Kreativshop Christuskirche und die Basarfrauen, hätten dem fairen Handel in Lauf ebenso den Weg geebnet, betonte Schächtele.

Die Ausführungen über das Hans-Bößner-Hilfswerk untermauerte dessen Vorsitzender, Hans Wittmann, mit konkreten Beispielen. So erklärte er, dass das Hilfswerk den fairen Handel seit etwa 40 Jahren unterstütze. Ein wichtiger Partner dabei sei die Fair-Handel-GmbH in Münsterschwarzach. In der Rolle als Großhändler beliefere der Fairhandel der Abtei zahlreiche katholische Schulen, Eine-Welt-Läden sowie Klöster. Wittmann informierte außerdem über aktuelle Vorhaben wie ein Schulbauprojekt im Keriotal in Kenia oder ein Wasserprojekt in der Pfarrei St. Otto in Ndondo im Süden Tansanias.

Die Fairtrade-Idee weitertragen

Die Auszeichnung zur Fairtrade-Town bestätige das große Engagement der Lauferinnen und Laufer in den letzten Jahren, sagte Bürgermeister Benedikt Bisping: „Stellvertretend für alle Akteure der Steuerungsgruppe danke ich Dr. Heinrich Schächtele für sein besonderes ehrenamtliches Engagement. Die hohe Auszeichnung ist Anerkennung und Ansporn zugleich, die Aktivitäten für einen gerechten Handel in unserem Lauf und weltweit noch weiter auszubauen.“ Besonders freue er sich über Schülerprojekte zum Thema Fairtrade, so der Bürgermeister, und führte als gelungenes Beispiel die Initiative der Schülerin Miriam Schmitt an der Montessori-Schule an.     

Fünf Kriterien für den Titel

Um überhaupt als Fairtrade-Town zertifiziert werden zu können, mussten zunächst mehrere Kriterien erfüllt werden, erläuterte Dr. Heinrich Schächtele: „Am Anfang waren ein Beschluss des Stadtrates und die Gründung einer Steuerungsgruppe notwendig. Dann galt es, drei Händler und drei Gastronomen zu melden, die jeweils mindestens zwei Produkte aus fairem Handel anbieten. Ebenso brauchte man eine Kirchengemeinde, eine Schule und einen Verein, die fair gehandelte Produkte verfügbar machen und das Thema “fairer Handel“ bildungsaktiv unterstützen. Zudem waren mindestens vier entsprechende Presseartikel einzureichen.“ All diese Kriterien seien bestens erfüllt worden, bestätigte Manfred Holz. Das Zertifikat sei aber kein Selbstläufer: „Alle zwei Jahre wird nachgeprüft, ob noch immer alle Bedingungen erfüllt sind.“

Mit einem Augenzwinkern überbrachte der Fairtrade-Ehrenbotschafter am Ende der Veranstaltung noch die „Topnachricht“ des Tages: „Ab heute spielt Lauf in der Champions-League zusammen mit London, Paris, Rom, Madrid, Dortmund und München, denn diese Metropolen sind ebenfalls Fairtrade-Towns! Herzlichen Glückwunsch!“



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