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02.09.2019

„Es ist sehr erfüllend, anderen Menschen zu helfen“

Verein für Gemeindediakonie Lauf e.V. feiert 125-jähriges Bestehen


Ulrike Walser-Auernheimer, Monika Ritter, Gerda Böhner, Michaela Raum (Betreuungskraft), Kerstin Pfister und Bürgermeister Benedikt Bisping im Gespräch (Foto: Hiller)

Ulrike Walser-Auernheimer, Monika Ritter, Gerda Böhner, Michaela Raum (Betreuungskraft), Kerstin Pfister und Bürgermeister Benedikt Bisping im Gespräch (Foto: Hiller)

Am 6. November 1894 wurde der Verein für Gemeindediakonie e.V. Lauf gegründet. Gemeinsam mit dem Evangelisch-Lutherischen Diakonieverein Rückersdorf-Röthenbach e.V. ist er Gesellschafter der Diakonie Unteres Pegnitztal gGmbH, die Träger der ambulanten Pflege in den Gemeinden Lauf, Rückersdorf, Röthenbach, Schnaittach, Osternohe, Ottensoos, Beerbach, Neunkirchen und Schönberg ist.

Einige Wochen vor der Jubiläumsfeier zum 125-jährigen Bestehen des Vereins traf sich Bürgermeister Benedikt Bisping mit der zweiten Vorsitzenden Ulrike Walser-Auernheimer, der Geschäftsführerin der Diakonie Unteres Pegnitztal, Kerstin Pfister, Pflegedienstleiterin Monika Ritter und Gerda Böhner, die regelmäßig die Tagespflege besucht, zum Gespräch.

Ambulante Pflege für rund 300 Patienten

Mit einer Diakonisse, die im Oktober 1892 in der Kapelle des Glockengießerspitals eingesegnet wurde, hat seinerzeit die Geschichte der Laufer Gemeindediakonie begonnen, heute kümmert sich in der Pegnitzstadt ein Team von 80 Mitarbeitern um rund 300 Patienten im Einzugsgebiet, das sich von Tauchersreuth bis nach Kersbach und von Oberndorf bis nach Weigenhofen erstreckt.

Doch bis dahin war es ein langer Weg, wie Ulrike Walser-Auernheimer mit einem Blick zurück auf die Anfangsjahre verdeutlicht. Zweifelsohne sei die Gründung des Vereins für Gemeindediakonie ein Meilenstein gewesen, da die Mitglieder mit ihren Beiträgen eine wichtige Basis für die soziale Arbeit der Diakonie geschaffen hätten – ebenso wie rund 100 Jahre später Margarete Simeth, die dem Verein eine landwirtschaftliche Fläche westlich des Kunigundenbergs und ein Anwesen in der Hersbrucker Straße 23a vermachte.

Tagespflegeeinrichtung im Haus der Diakonie

Direkt daneben, in der Hersbrucker Straße 23b, hat seit zwanzig Jahren das Haus der Diakonie, in dem auch eine Tagespflegeeinrichtung untergebracht ist, seinen Sitz. Insgesamt 34 ältere Menschen, die noch zu Hause leben, aber auf Betreuung angewiesen sind, nutzen ein- oder mehrmals unter der Woche das Angebot, den Tag in familiärer Atmosphäre gemeinsam zu gestalten.

Zu ihnen gehört auch die 88-jährige Gerda Böhner, die sich hier richtig wohl fühlt: „Wenn mich der Fahrdienst am Morgen bringt, ist der Frühstückstisch bereits gedeckt, das Brötchen aufgeschnitten und man riecht den Duft von frischem Kaffee.“ Wie die ehemalige Nürnbergerin, die jetzt bei einem ihrer Söhne und der Schwiegertochter in Ottensoos lebt, erzählt, habe sie ein sehr schönes Zuhause bei ihrer Familie; die Zeit in der Tagespflege möchte sie aber dennoch nicht missen.

Vielseitiges Programm für Senioren

Ebenso wie die gute Küche – neben dem Frühstück gibt es für die Senioren eine kleine Zwischenmahlzeit mit Obst, ein frisch gekochtes Mittagessen, Kaffee und Kuchen – schätzt sie vor allem das vielseitige Programm im Haus der Diakonie: „Hier ist es nie langweilig. Man liest uns aus der Zeitung vor, wir singen und basteln gemeinsam, machen Gedächtnistraining oder treffen uns zu Gesprächs- und Spielrunden. Und das Diakonie-Team hat immer ein offenes Ohr für uns“ – ein Lob, das Geschäftsführerin Kerstin Pfister und Pflegedienstleiterin Monika Ritter natürlich sehr gerne hören.

Tatsächlich zeichnet sich der Umgang miteinander durch viel Zuwendung und Aufmerksamkeit aus, was sich an Kleinigkeiten wie den persönlichen Namenskärtchen mit der Aufschrift „Schön, dass du da bist“ ebenso zeigt wie bei der ambulanten Pflege, dem zentralen Aufgabenbereich der Diakonie.

Auch wenn der Spagat zwischen kompetenter, zugewandter Pflege und Wirtschaftlichkeit nicht einfach sei, wolle man nicht „nach der Uhr pflegen“, wie Kerstin Pfister betont. Und dank der tollen Unterstützung des Vereins für Gemeindediakonie Lauf und des Diakonievereins Rückersdorf-Röthenbach, der evangelischen Kirche, des Landkreises und der Stadt Lauf sei man wirtschaftlich insoweit unabhängig, dass man den Patienten trotz eines straffen Dienstplans ein wenig mehr Zeit widmen könne als dies beispielsweise bei privaten Pflegediensten der Fall sei.

Beeindruckendes Logistikmanagement

„Nicht umsonst genießt die Diakonie Unteres Pegnitztal in der Bevölkerung ein hohes Ansehen“, so Bürgermeister Benedikt Bisping, selbst aktives, Diakoniemitglied, der dem gesamten Team seine Anerkennung zollte: „Ihr Logistikmanagement ist beeindruckend und Ihre Leistungen sind ein wichtiger Baustein für die soziale Stadt- und Ortsentwicklung.“ Sehr gerne engagiere sich die Stadt Lauf im Verbund mit vielen kommunalen und interkommunalen Partnern, um gute Rahmenbedingungen für diese wichtige Arbeit zu schaffen – umso mehr, da die Anforderungen an das Pflegepersonal stiegen.

Das bestätigt auch Monika Ritter, die seit 24 Jahren für die Diakonie tätig ist: „Die Pflege ist zunehmend professioneller geworden“ – neben dem Fachkräftemangel einer der Gründe, warum die Diakoniestation in Lauf als eine der wenigen Einrichtungen in der ambulanten Kranken- und Altenpflege im Landkreis Nürnberger Land seit vielen Jahren selbst Altenpflegerinnen und -pfleger ausbildet.

„In der Öffentlichkeit wird unser Beruf oft zu Unrecht negativ dargestellt“, findet die Pflegedienstleiterin. „Tatsächlich ist es sehr erfüllend, anderen Menschen zu helfen. Der Umgang mit den Senioren und Patienten ist eine schöne, bereichernde Erfahrung und man bekommt so viel zurück. Zudem haben wir hier bei der Diakonie Unteres Pegnitztal ein ausgezeichnetes Arbeitsklima.“

Internationalere Ausrichtung

Um den recht unterschiedlichen und sich mit den Jahren verändernden Anforderungen an die ambulante Pflege weiterhin entsprechen zu können, werde man in Zukunft internationaler werden und auch mehr ungelernte Kräfte einstellen und anlernen müssen – da sind sich Kerstin Pfister und Monika Ritter sicher und ergreifen gleich selbst die Initiative. So sind sie aktuell damit beschäftigt, einen Sprachkurs für Diakoniemitarbeiter mit Migrationshintergrund zu organisieren.

Von den Krankenkassen wünschen sich beide eine Anpassung der Genehmigungspraxis. So würden derzeit in der ambulanten Pflege aus Kostengründen notwendige Leistungen nicht bewilligt, was viele unnötige Diskussionen zur Folge habe. Und die Abrechnung nach Einzelleistungen – früher gab es einen Pauschalsatz – führe oftmals dazu, dass der Patient weniger nach Bedarf, sondern nach Budget entscheiden müsse.

Auch hier spielt der Verein für Gemeindediakonie eine wichtige Rolle, da er die Mitgliedsbeiträge zur Finanzierung von Leistungen verwendet, die nicht von anderen Kostenträgern übernommen werden. Und damit das künftig so bleibt, wünscht sich Ulrike Walser-Auernheimer, „dass sich noch mehr Menschen finden, die sich mit uns im Verein dafür engagieren, dass der diakonische Gedanke auch weiterhin im Alltag gelebt werden kann.“



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