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18.11.2018

Volkstrauertag - Totengedenkstunden in Lauf und den Ortsteilen

Rede des Ersten Bügermeisters Benedikt Bisping


Foto: Volkstrauertag 2018 - Gedenkstätte

(Gedenkstätte, Foto: StadtLauf)

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Trauergemeinde,

im Namen der Stadt Lauf begrüße ich Sie zu unserer heutigen Gedenkstunde, die all jenen Menschen gewidmet ist, die in der Vergangenheit wie in der Gegenwart Opfer von Krieg und Gewalt waren und bei Kämpfen, Terroranschlägen und fremdenfeindlichen Attacken verletzt oder getötet wurden.

Es ist eine Woche her, dass wir den hundertsten Jahrestag zweier Ereignisse gefeiert haben, die eine nachhaltige Zäsur in unserer Geschichte markierten:

  • Am 9. November 1918 wurde gegen Mittag bekannt, dass der deutsche Kaiser Wilhelm II. abgedankt hatte. Kurz darauf rief der SPD-Abgeordnete Philipp Scheidemann die Republik aus.
  • Zwei Tage später schwiegen an den Fronten endlich die Waffen. Der Erste Weltkrieg, der in vier langen Jahren Millionen von Opfern gefordert hatte, war endlich vorbei.

Bis zu einer Demokratie und einem friedlichen Miteinander sollte es aber noch lange dauern…

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Völkerbund gegründet, ein Vorläufer der Vereinten Nationen. Doch er konnte, als sich die Lage in Europa erneut zuspitzte, nur wenig Wirkung entfalten.

Erst nach dem vernichtenden Zweiten Weltkrieg und dem Ende eines Regimes, das unvorstellbare Verbrechen begangen hatte, beschritt man in Europa neue Wege.

Politiker wie Bürger bemühten sich um eine „Versöhnung über den Gräbern“ und schufen damit die Voraussetzung für eine der längsten Friedensperioden auf unserem Kontinent. Gräben wurden überwunden, aus Feinden wurden Freunde und das Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege findet mittlerweile oftmals gemeinsam statt.
Von Beginn an war die europäische Annäherung, angefangen von der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft über die Europäische Gemeinschaft bis zur Europäischen Union mehr als ein reines Finanzbündnis; sie war auch und vor allem ein Friedensprojekt für ganz Europa: Ein neues, ein anderes Europa sollte entstehen, das sich über alle Grenzen hinweg auf seine Gemeinsamkeiten besinnt.

Und auch wenn dieses Europa noch vor vielen Herausforderungen steht, können wir stolz darauf sein, was wir bisher gemeinsam erreicht haben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

seit Jahrhunderten haben bei uns Menschen für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte gekämpft. Manche von ihnen sind gescheitert, doch an ihre Stelle traten andere, die mutig und entschlossen weitergemacht haben.

Das, wofür sie sich eingesetzt haben, gilt es zu verteidigen, mit Leben zu füllen und an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben – umso mehr, da sich Rechtspopulisten mehr und mehr Gehör verschaffen.

Sie ziehen unsere Werte in Zweifel, stellen Grundlagen der Demokratie wie Minderheitenschutz und Toleranz infrage und propagieren eine Abschottungspolitik, die sich auch gegen Menschen richtet, die vor Krieg und gewaltsamen Übergriffen zu uns geflüchtet sind.

Diesen antidemokratischen Tendenzen und Akteuren müssen wir etwas entgegensetzen und – wie der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede zum 9. November vor einer Woche sagte – in unserem Handeln beweisen, „dass wir wirklich gelernt haben, dass wir wachsamer geworden sind im Angesicht unserer Geschichte."

Der Blick auf die 100 Jahre, die seit der Ausrufung der Republik und der Unterzeichnung des Waffenstillstands vergangen sind, zeigt uns, wie froh und dankbar wir sein können, in Frieden und Freiheit zu leben.

Und das sollte uns ein Ansporn sein, uns immer und immer wieder für die Demokratie stark zu machen – nicht nur in der Politik, sondern auch im täglichen Miteinander:

Dulden wir nicht als schweigende Mehrheit, dass Menschen in unserem Umfeld beleidigt, bedrängt, ausgegrenzt oder in ihrer Würde verletzt werden.

  • Verwahren wir uns gegen Hetze, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus
  • Schließen wir nicht die Augen vor Hass und Gewalt, sondern schreiten wir ein wenn unsere Grundrechte bedroht sind.
  • Setzen wir ein Zeichen für Solidarität und Zusammenhalt.
  • Blicken wir über den Tellerrand und engagieren wir uns weiterhin aktiv für ein geeintes Europa und den internationalen Austausch.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Nicht der Krieg ist der Ernstfall, der Friede ist der Ernstfall, in dem wir uns alle zu bewähren haben“, hat Gustav Heinemann, der dritte Präsident der Bundesrepublik Deutschland, einmal gesagt.

Und so verstehe ich den heutigen Tag nicht nur als Tag der Trauer, sondern auch als Tag der Ermutigung zum Engagement.

Heute kommen vielerorts Menschen zusammen, die Frieden, Demokratie und die Wahrung der Menschenrechte als Richtlinien ihres Handelns sehen und sich in ihrer Nachbarschaft, in ihren Städten, Landkreisen und darüber hinaus dafür stark machen, dass die dunklen Kapitel unserer Vergangenheit Geschichte bleiben.

Und auch in Lauf gibt es zahlreiche engagierte Bürgerinnen und Bürger, die mit den unterschiedlichsten Projekten für Toleranz und Völkerverständigung werben, ganz klar Stellung gegen Fremdenfeindlichkeit beziehen und sich aktiv für ein friedliches Miteinander der Kulturen einsetzen.

Ihnen gilt ebenso mein herzliches Dankeschön wie den Mitgliedern des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die das Gedenken an die zahllosen Opfer von Krieg und Gewalt lebendig halten und all jenen, die heute hierhergekommen sind, um dieser Feierstunde einen würdigen Rahmen zu verleihen.

Vielen Dank.

Ich bitte Sie nun, gemeinsam der Toten zu gedenken:

Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken
der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer,
die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung oder geschlechtlichen Neigung als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer,
die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft leisteten, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern
um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Opfer sinnloser Gewalt, die bei uns Schutz suchten.

Wir trauern
mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen, um die Toten. Doch unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen, zu Hause und in der Welt.



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