Kultur und Corona

Künstler live im LAUF-TV

(Foto: ©flomutec Veranstaltungstechnik)
Foto: Künstler live im LAUF-TV

Der erneute Lockdown hat die Kulturschaffenden in der Region hart getroffen. Konzerte mussten abgesagt werden, Theater sind ebenso geschlossen wie Musikkneipen und andere Veranstaltungsräume – vor allem für freiberufliche Künstler ein existentielles Problem.  

Um die Branche zu unterstützen und gleichzeitig dem Publikum Konzert- und andere Kulturerlebnisse zu ermöglichen, suchte die Stadt Lauf den Weg ins Netz und lud, so lange es noch möglich war, im November und Dezember an den Freitag- und Samstagabenden zum Künstler-Live-Stream ein.

Signal der Solidarität und der Wertschätzung

„Wir müssen neue Veranstaltungsmodelle finden, damit unser kulturelles Leben nicht erneut zum Erliegen kommt. Und die Live-Streams zu den Laufer Literatur Tagen haben es gezeigt: Auch wenn das digitale Event das Live-Erlebnis natürlich nicht ersetzen kann, ist es eine gute Alternative und darüber hinaus ein wichtiges Signal der Solidarität und der Wertschätzung für unsere Künstlerinnen und Künstler“, so Bürgermeister Thomas Lang, der die Aktion initiierte.

Viele bekannte Namen fanden sich im Line-Up der Veranstaltungsreihe, die in der Kulisse der Bauernküche in der Riedner Mühle stattfand. Dort, wo sich sonst des Öfteren Brautpaare das Jawort geben, unterhielten Künstler, die in Lauf leben oder eine enge Beziehung zur Pegnitzstadt haben, das Publikum – anmoderiert von Radio-Urgestein Fritz Egner, der ja schon bei den Laufer Literatur Tagen im November zu Gast in der Pegnitzstadt gewesen war.  

Die Gagen übernahm die Stadt Lauf. Und auch die Sparkasse Nürnberg, die Städtischen Werke Lauf und die Unternehmen EMUGE Franken, ABL SURSUM, Reifen Lorenz und intex digital. lokal unterstützten den Künstler-Live-Stream, bei dem sich neben Martin Meinzer & Chris Löhner, ZWEII, Jamyno, Jonny Mago, Nina und Gitarre, Brenda Vas und Günter Goller auch The Crown Jewels, Michl Zirk, Andrea Gonze sowie Christl und Beda präsentierten – natürlich unter strengen Hygienevorschriften.

„Gut, wieder hier zu sein“

Er ist für die meisten Livemusik-Streams während der Pandemie für das Guinness Buch der Rekorde nominiert: Seit dem ersten Lockdown im vergangenen Frühjahr ist Martin Meinzer mit seinen Musiker-Kollegen Chris Löhner und Andreas Nürnberger jeden Sonntagabend via facebook auf Sendung.

In der Riedner Mühle konnten sie wegen der geltenden Corona- Regelungen nur als Duo Meinzer – Löhner auftreten, hatten das Publikum aber mit einem spontan zusammengestellten Best of von Vaya Con Dios bis Uriah Heep und eigenen Stücken schnell auf ihrer Seite, wie die Live-Posts zeigten. Und mit dem Eröffnungssong „Gut, wieder hier zu sein“ von Reinhard Mey, Hannes Wader und Konstantin Wecker sprachen sie wohl allen beteiligten Künstlerinnen und Künstlern aus der Seele.

Musikalisch zwischen Pop und modernem Schlager bewegen sich die Schwestern Miriam und Judith Geissler, die als Duo ZWEII mit ihrer Eigenkomposition „Über dem Regenbogen“ 2018 den Lotto Bayern Musik Award gewannen. Mitte März 2020 entstand ihr Song „Zusammenhalt“, der neben Klassikern wie „Mit 17 hat man noch Träume“ oder „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“ an diesem Abend zu ihrem Programm gehörte.

Sie schreibt eigene Titel, und lässt sich auf keine Stilrichtung festlegen: Jamyno, mit bürgerlichem Namen Doro Beyler, verbindet als Sängerin, Songwriterin und Gesangslehrerin Beruf und Berufung. Dass sie im Pop musikalisch ebenso zu Hause ist wie im Soul, Funk oder Gospel und beim Covern die Originalversionen gekonnt neu arrangiert, zeigte sie unter anderem mit ihren ganz persönlichen Interpretationen von „All you need is Love“ von den Beatles oder „Poison“ von Alice Cooper.

Spanisches Flair in der Riedner Mühle

Für spanisches Flair in der Riedner Mühle sorgte Jonny Mago. Seit 16 Jahren musiziert der Flamencogitarrist und Sänger aus Toledo, der 2014 mit seiner Familie nach Lauf kam, in jeder freien Minute. Wenn er „Volare“ von den Gipsy Kings oder „Despacito“ von Luis Fonsi anstimmt, hält es niemand mehr auf den Stühlen. Aber auch mit hierzulande nicht so bekannten Titeln wie „La Isla del Amor“ von Demarco Flamenco und einer spanischen Version von „I did it my Way“ wusste er zu überzeugen.

Der Bürgermeister hat sie einmal als die „Rockröhre vom Südring“ bezeichnet. Aber Nina Meyer, ehemalige Frontfrau der Bands Union und Stage One beherrscht ebenso die leisen Töne und stimmte bei Ihrem Auftritt neben Rockklassikern wie „Sweet Home Alabama“ von Lynard Skynard und deutschen Hits wie „99 Luftballons“ auch zwei Weihnachtslieder an.

Brenda Vas ist die jüngste der Laufer Musikerinnen und Musiker, die beim Künstler-Live-Stream dabei waren, wagt sich musikalisch aber an die ganz großen Namen wie Amy Winehouse und Adele. So schüchtern die Abiturientin, die in Spanien aufgewachsen ist, bei mancher Anmoderation wirkte, so sicher und stimmgewaltig präsentierte sie ihr Programm mit Highlights wie „Hallelujah“ von Leonhard Cohen, „Marcy“ von Duffy oder „Talking to the Moon“ von Bruno Mars.

Coverversionen und eigene Songs

Er hatte die Idee zum „Altstadtfest online“ und sein sonntäglicher facebook-Livestream „Couch meets Music“ ist ein fester Termin im Kalender vieler Lauferinnen und Laufer. Ob als Poet, Songschreiber oder Rock-Sänger – Günther Goller ist ein Vollblutmusiker, der im Industriemuseum Klassiker wie „House of the rising Sun“ von den Animals, „Hymn“ von Barclay James Harvest oder „If you could read my Mind“ von Gordon Lightfoot wieder aufleben ließ und auch eigene Songs wie „The World needs to breathe“ im Gepäck hatte.
Von Johnny Cash über Hank Williams bis zu den Dixie-Chicks ist bei „The Crown Jewels“ alles möglich: Monika Romanovska und Steffi Glässer sind zwei ausgezeichnete Musikerinnen, die sich mit ihrem CountryFiddle-Sound deutlich von der Masse abheben. Mit mehreren Instrumenten – Geige, Mandoline, Gitarre, Percussion, Bass und Kickbox – perfekt harmonierenden Stimmen, viel  Spielfreude und einem gekonnten Mix aus gefühlvollen Balladen wie „Jolene“ von Dolly Parton und Uptempo-Nummern wie „One Way Track“ von Ricky Skaggs machten sie an ihrem Abend im Industriemuseum ganz bestimmt jeden, der ihnen zuhörte, zum erklärten Country-Fan.

Märchen und (Alltags-)Geschichten

„Die besten Geschichten werden in den Küchen der Welt erzählt“, ist sich Andrea Gonze sicher. Und nun stand die ehemalige Leiterin der Märchenschule DornRosen, die vier Jahre lang auch die Laufer Märchentage organisierte, selbst in der Küche – in der Riedner Mühle des Laufer Industriemuseums, die an diesem Abend zur Erzählbühne wurde. An ihrer Seite der Tauchersreuther Geschichtenerzähler Michl Zirk, vielen bekannt durch seine Veranstaltungsreihe „Märchen und Geschichten am Wasserturm“ oder den Laufer Erzählkunsttag „Kino im Kopf“.
Wegen der geltenden Abstands- und Hygieneregeln zeigten sie nicht wie ursprünglich geplant Auszüge aus ihrem aktuellen Münchhausen-Programm, sondern erzählten abwechselnd, teils mit vollem Körpereinsatz, Märchen und (Alltags-)Geschichten – mal romantisch, mal skurril und oft mit überraschenden Pointen.

Aus der geplanten Dreiviertelstunde wurden wegen der kurzfristigen Absage der Jawmonks, die für den zweiten Teil des Abends gebucht waren, schließlich fast zwei Stunden (Lüftungspause inklusive) – und das Publikum an den Bildschirmen hätte wahrscheinlich gerne auch noch länger zugehört. 

Im Gepäck hatten die beiden unter anderem eine Geschichte über das Geschichtenerzählen aus Indien, ein italienisches Zaubermärchen von einer Prinzessin, die in einem Apfel lebt und eine Erzählung über ein Kartenspiel mit dem Junker Tod. Außerdem verrieten sie, warum Bohnen eine Naht haben, sich Fuchs und Hase, die einst beste Freunde waren, nicht mehr gute Nacht sagen und wieso ein Schwein, das seinem Besitzer mehrmals das Leben gerettet hat, eine High-Tec-Beinprothese trägt…

Songs aus mehreren Jahrzehnten Musikgeschichte

Den musikalischen Schlusspunkt unter die fünf Live-Stream-Wochenenden setzte eine Mitarbeiterin der Stadt Lauf: Christina Sterr, Betriebsleiterin des Freibads, die mit ihrem Bruder an der Gitarre als Duo Christl und Beda Klassiker aus mehreren Jahrzehnten Musikgeschichte und den unterschiedlichsten Genres präsentierte.

Mit Humor, sich perfekt ergänzenden Stimmen und großer Spielfreude schlugen sie den Bogen von den Everly Brothers („Bye bye Love“) über The Proclaimers („I would walk 500 miles“) und Sandi Thom („ I Wish I Was A Punk Rocker“) bis zu ABBA („Super Trouper"), der Spider Murphy Gang („Wo bist du“) und Amy Winehouse („Valerie“).

Dass beide, die schon seit mehreren Jahren gemeinsam Musik machen, mit viel Spaß bei der Sache sind, war den Geschwistern anzumerken: Sie interpretierten jeden Song auf ihre ganz eigene, unverwechselbare Weise, switchten gekonnt zwischen Pop, Rock und Country und sorgten auch für den einen oder anderen musikalischen Gänsehautmoment.

11210 Klicks auf den Live-Stream

Das Fazit, das Bürgermeister Thomas Lang nach der Veranstaltungsreihe zieht, ist entsprechend positiv: „11210 Klicks und die begeisterten Kommentare und Rückmeldungen, die wir zu den digitalen Events bekommen haben, beweisen: Der Künstler-Live-Stream war ein voller Erfolg! Alle Beteiligten und die Sponsoren, denen ich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich danken möchte, haben mit ihrem Engagement gezeigt, dass sie sich Lauf verbunden fühlen und dass so vieles möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen.“

hallo[Hier] geht’s zu den Aufzeichnungen der Livestreams.

Musizieren in der Corona-Krise

Lesung im Dehnberger Hof Theater

Der Laufer Künstlerkreis stellt sich vor

Der Laufer Künstlerkreis stellt sich vor
Grafik: Der Laufer Künstlerkreis stellt sich vor

Der Laufer Künstlerkreis wurde im Frühjahr 1989 gegründet.
undefinedLernen Sie hier Künstler*innen und Werke kennen

artOmat: Kunst zur Weihnachtszeit

Kunst zur Weihnachtszeit im artOmat (Collage: Laufer Künstlerkreis)
Kunst zur Weihnachtszeit im artOmat (Collage: Laufer Künstlerkreis)

Ab 1. Dezember 2021 präsentiert der Laufer Künstlerkreis die Weihnachtsstaffel im artOmat in der Spitalstraße (in unmittelbarer Nähe zum Laufer Stadtarchiv, an der Remise von Bernd Wagner)

Die Unikate in Glas, Keramik, Fotografie, Malerei sowie Holzarbeit warten für fünf Euro auf neue Besitzer.

Arbeiten von Gerda Karina Hederer, Bernd Wagner, Babette Friedrich, Anna Luise Oechsler, Matthias Bisping, Jutta Hanna Schwarz, Silvia Lobenhofer-Albrecht, Marietta Emmert, Karin Berger und Conny Klonen machen die Weihnachtsstaffel in dem restaurierten, ehemaligen Zigarettenautomaten komplett.


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