Laufer Kaiserburg

Laufs erste Burg, der Ministerialensitz, gelangte nach dem Aussterben der Staufer an die bayerischen Herzöge; in deren Salbuch wird der Besitz in und um Lauf zusammen mit dem „castrum“, der Burg, bereits um 1275 genau aufgeführt.

 

Was weiter mit ihr geschah, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. In den Auseinandersetzungen zwischen König Albrecht I. von Österreich und dem Laufer Landesherrn Herzog Rudolf I. von Bayern, der den 1298 abgesetzten König Adolf von Nassau unterstützt hatte, soll sie 1301 von den Truppen Albrechts teilweise zerstört worden sein. Eine Urkunde von 1322, in der Kaiser Ludwig der Bayer Lauf an den Nürnberger Burggrafen Friedrich IV. verpfändete, spricht von „unser Purck und unser Markt zu Lauffe“ und gewährt dem Burggrafen 200 Mark in Silber für den Fall, dass „er die Burg baue“. Dies könnte darauf hinweisen, dass die Anlage seit der Zerstörung 1301 nicht mehr instandgesetzt worden war und mehr oder weniger als Ruine dastand.

Die Burg

(Foto: Stadt Lauf, Müller)
Foto: Laufer Kaiserburg 1

Die zweite, in ihren wesentlichen Teilen noch heute erhaltene Burg geht auf Kaiser Karl IV. zurück, der sie in seiner Eigenschaft als König von Böhmen zwischen 1357 und 1360 vollständig neu errichten ließ.

 

Der Kaiser hat ohne Zweifel die strategisch günstige Lage von Burg und Ort Lauf ebenso erkannt wie die Erbauer der Vorgängerburg, hinzu kommt aber noch die Voraussetzung, die Karl im Sinne seiner böhmischen-luxemburgischen Hausmachtpolitik geschaffen hat: Der Erwerb großer Teile der heutigen nördlichen Oberpfalz und des östlichen Frankens vorwiegend aus wittelsbachischem Besitz 1353 und die offizielle Einverleibung dieses Gebiets in das Königreich Böhmen 1355, schufen jenes „Bayern jenseits des Böhmerwaldes“, wie man es aus Prager Blickrichtung nannte, von den Historikern heute als „Neuböhmen“ bezeichnet.

 

Der Zugang von Böhmen „in das Reich“ hin zur bedeutenden und von Karl so besonders geförderten Reichsstadt Nürnberg war gesichert, reichte doch das böhmische Territorium nun bis nach Erlenstegen. Hier hatte Lauf seine ganz besondere Bestimmung: Es wurde eine befestigte Stadt, ein regionales Wirtschaftszentrum mit bedeutender Münzstätte, Geleits- und Zollstation an der „Goldenen Straße“ von Nürnberg nach Böhmen, die nun als Reichsstraße gesteigerte Bedeutung hatte. 

Die Zugbrücke

(Foto: Stadt Lauf, Müller)
Foto: Laufer Kaiserburg 2, Brückensteg

Die Burg am Südrand der Stadt entstand als kompakte Anlage auf der vergleichsweise kleinen Flussinsel und musste in geschickter Platznutzung mit der begrenzten Fläche auskommen. Als böhmische Landesburg erfüllte sie zwei Funktionen: Sie gewährte dem böhmischen König eine gesicherte Unterkunft, und sie entsprach dem Repräsentationsbedürfnis des Herrschers am Westrand seines neuböhmischen Territoriums vor den Toren Nürnbergs.

 

Trotz der beengten Verhältnisse auf der Insel war die Anlage für diese Aufgaben bestens ausgestattet: Zum Flussübergang hin erhebt sich der trutzige Bergfried mit einer Mauerstärke von mehr als 3,50 m. Seine ursprüngliche Höhe dürfte die übrigen Bauteile um mindestens ein Geschoss überragt haben.

 

 

Zur Sicherung des Haupteingangs diente der Torturm, auch “Wenzelsturm“ genannt, mit Zugbrücke und Fallgitter, flankiert zu beiden Seiten von Mauern und Wehrgängen. Es schloss sich der zweiflügelige Palas in der Nordostecke an, der vielleicht in seinem zweiten Obergeschoss eine Verteidigungsebene besaß, die sich jedoch erst unter den Nürnberger Besitzern im 16. Jahrhundert nachweisen lässt. 

Kaiserlicher „Lustsaal“

(Foto: Stadt Lauf, Müller)
Foto: Laufer Kaiserburg 3, Innenansicht

Ungleich bedeutsamer als seine Funktion als Befestigungsanlage war die Bedeutung des Schlosses als kaiserlicher „Lustsaal“, als repräsentativer Aufenthaltsort des Kaisers auf seinen Reisen, als letzten böhmischen Standquartier vor Nürnberg.

 

Auch für diese Aufgabe war das Schloss gerüstet: Die Kaiserkammer, heute als Wappensaal bekannt, war der persönliche Aufenthaltsraum des hohen Besuchers, ihm schlossen sich in der Nordostecke des Palas die Herrenstube und im Nordflügel der große Kaisersaal an.

Der Wappensaal

(Foto: Boxler)
Foto: Laufer Kaiserburg, Wappensaal

Das Laufer Wenzelschloss war keine Reichsburg, keine Kaiserpfalz, wir dürfen ihn ihm vielmehr eine böhmische Landesburg sehen, die symbolische Bedeutung hatte. Sie bildete die westliche Eingangspforte Böhmens, was wird schon am Torturm deutlich: Über dem böhmischen Löwenwappen steht die Skulptur des böhmischen Patrons Wenzel.

 

Sein Abbild ist schließlich in Form eines farbig gefassten Reliefs an der Ostseite der südlichen Fensternische der Kaiserkammer zu sehen. Vielleicht befand sich hier die private Gebetsstätte des Kaisers.

 

Als Leitfigur der böhmischen Hausmacht darf er in diesem Wappensaal nicht fehlen, denn dieser ist ohnehin ein bedeutsamer Symbolraum des böhmischen Königtums: Unter dem böhmischen Wappen mit der Helmzier, angeordnet auf den beiden Schlusssteinen des Deckengewölbes, versammelt sich in großartiger heraldischer Darstellung der Königshof mit den Wappen der Herzöge und Grafen, der Bistümer, der wichtigsten Städte und bedeutenden Geschlechter, die dem Hofe angehörten.

 

Diese in Europa einzigartige Raumgestaltung entstand 1361, im Geburtsjahr von Karls Sohn Wenzel, der in Nürnberg das Licht der Welt erblickte. 

Der Wappensaal kann auch im Rahmen einer halloStadtführung besichtigt werden. 

Ausstellung „Burgen und Bauten Kaiser Karls IV.“

(Foto: Stadt Lauf, Müller)
Foto: Ausstellung "Burgen und Bauten Kaiser Karls IV."

Die Laufer Kaiserburg zählt zu den bedeutendsten Wahrzeichen der Residentschaft von Karl IV. entlang der Goldenen Straße. Höhepunkt der Ausstellung „Burgen und Bauten Kaiser Karls IV.“ ist der mittelalterliche, in Europa einzigartige Wappensaal: 112 Wappen in Stein gemeißelt und bemalt. Hier regierte der Kaiser und empfing Abordnungen. Nach umfassender Restaurierung kann dieses Schmuckstück der Heraldik wieder besichtigt werden. Ein interaktiver Bildschirm informiert zu den in gotischen Minuskeln gehaltenen Wappen.

Die Ausstellung präsentiert außerdem Grafiken und Malereien von Burgen Kaiser Karls IV. aus den städtischen Sammlungen und ein großformatiges Modell der „Prager Neustadt“, das den Bauzustand Prags zur Zeit Kaiser Karls IV. zeigt. Anhand einer Rekonstruktion der Burg im 14. Jahrhundert und eines 3D-Scans ihres heutigen Zustands wird demonstriert, wie sich das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte verändert hat.

Die große Schau zu Ehren des spätmittelalterlichen Regenten ist zu folgenden Öffnungszeiten zu sehen:

Ungeführte Burgbesuche:
Dienstag bis Freitag: 14 Uhr bis 17 Uhr
Samstag/Sonntag: 11 Uhr bis 17 Uhr

Führungen:
Samstag: 14 Uhr und 15.30 Uhr
Sonntag: 14 Uhr und 15 Uhr
Dienstag bis Freitag: individuelle Vereinbarungen mit den Altstadtfreunden (Tel. 09123 / 184 174) und den Stadtführern (Tel. 09123 / 184 222)

Die Ausstellung ist an folgendem Feiertag geöffnet:

Reformationstag, 31. Oktober: 11.00 – 17.00 Uhr
Führungen werden um 14.00 Uhr und 15.00 Uhr angeboten

Allerheiligen, 1. November: 14.00 – 17.00 Uhr

Der Eintritt in die Burg (mit bzw. ohne Führung) beträgt 3 Euro (Kinder unter 14 Jahren frei).

Die Öffnungszeiten im Info-Punkt sind Dienstag bis Sonntag 11-17 Uhr. Telefonische Auskünfte erhalten Sie unter 09123 / 184-284 bzw. 09123 / 1823924.

Heiraten in der Laufer Kaiserburg

(Foto: privat)
Heiraten in der Laufer Kaiserburg

Sie träumen von einer Burghochzeit? Seit August 2014 können sich Brautpaare im geschichtsträchtigen Wappensaal der Laufer Kaiserburg das Jawort geben. Und auch Paare, die im größeren Kreis feiern wollen, haben die Möglichkeit, ihre Liebe in einem stilvollen Rahmen zu besiegeln. Der Kaisersaal bietet Platz für bis zu 199 Personen.

Mehr Informationen zu diesen und weiteren Räumlichkeiten für standesamtliche Trauungen in Lauf finden Sie auf unseren Seiten unter halloEhe & Lebenspartnerschaft





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