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19.12.2017

Goldene Bürgermedaille der Stadt Lauf für Martin Lauer

Anerkennung für einen Allrounder und engagierten Teamplayer


Bürgermeister Benedikt Bisping überreichte Martin Lauer die Goldene Bürgermedaille der Stadt Lauf (Foto: Hiller)

Bürgermeister Benedikt Bisping überreichte Martin Lauer die Goldene Bürgermedaille der Stadt Lauf (Foto: Hiller)

Der Träger der Goldenen Bürgermedaille im Kreise seiner Familie (Foto: Hiller)

Die Presse fand unzählige Bezeichnungen und Superlative für ihn: „Hürdengenie“, Jahrhundert-Talent“ oder „Schlagerphönix aus der Aschenbahn“.
Zweifelsohne ist Martin Lauer, Olympiasieger von 1960 in der 4x100-Meter-Staffel, mehrfacher Welt-und Europarekordhalter in verschiedenen Disziplinen, einer der vielseitigsten Leichtathleten seiner Zeit und das Idol einer ganzen Generation. Denn so wie er hat selten ein deutscher Sportler die Weltelite im wahrsten Sinne des Wortes hinter sich gelassen. Und auch als erfolgreicher Country-Schlagersänger und Sportjournalist machte sich der Diplom-Ingenieur einen Namen. 

Für sein lebenslanges Engagement für den Sport im Allgemeinen und den Sport in der Stadt Lauf erhielt der langjährige Erste Vorstand der Leichtathletikgemeinschaft Lauf Pegnitzgrund nun im Rahmen einer Sondersitzung des Stadtrats von Bürgermeister Benedikt Bisping die Goldene Bürgermedaille.

Empfang im Alten Rathaus

Nicht nur Mitglieder des Stadtrats – darunter einige Ehemalige – waren zu dem Empfang ins Alte Rathaus gekommen, auch Landrat Armin Kroder, Altlandrat Helmut Reich, Ehrenbürger und Altbürgermeister Rüdiger Pompl sowie die beiden anderen Träger der Goldenen Bürgermedaille, Heinz Lausch und Helmut Glimpel, feierten mit Martin Lauer, seiner Familie, Freunden und Weggefährten die Auszeichnung.

„Sie waren in der Leichtathletik ein echtes Multitalent und auch abseits des sportlichen Parketts ein Allrounder, der sich durch ein hohes Maß an Kompetenz, Geradlinigkeit und Zivilcourage auszeichnete, ein kritischer Geist, der für seine Überzeugungen eintrat, selbstbewusst, aber niemals selbstgefällig war und seine Ziele konsequent verfolgt hat“, so der Bürgermeister, der „im Sprintstil“ durch die Vita des Spitzensportlers führte.

Beeindruckende Erfolgsbilanz

1953 wird der gebürtige Kölner im Alter von 16 Jahren zum ersten Mal Deutscher Jugendmeister in der 4x100-Meter-Staffel. Als Neunzehnjähriger absolviert er seinen ersten Zehnkampf, wird auf Anhieb Deutscher Meister und holt bei den Spielen in Melbourne im selben Jahr einem vierten Platz über 110-Meter-Hürden und einen fünften Platz im Zehnkampf.

Unvergessen macht ihn das Meeting im Zürcher Letzigrund am 7. Juli 1959, bei dem er gleich drei Weltrekorde läuft. Mit einer Zeit von 13,2 Sekunden siegt er über die Hürden-Sprintdistanz von 110 Metern. Gleichzeitig stellt er den Weltrekord auf der 27 Zentimeter kürzeren 120-Yards-Strecke auf und lässt auch in einem spontan anberaumten 200-Meter-Hürdenrennen die Konkurrenz hinter sich.

Olympisches Gold in Rom

Mit großen Ambitionen fährt er 1960 zu den Olympischen Spielen nach Rom, muss aufgrund einer Knochenhautentzündung im Fußgelenk aber auf den Start im Zehnkampf verzichten und wird in seiner Paradedisziplin über 110-Meter-Hürden Vierter. Trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung startet er in der 4x100-Meter-Staffel als Schlussläufer und gewinnt an der Seite von Bernd Cullmann, Armin Hary und Walter Mahlendorf in Weltrekordzeit von 39,5 Sekunden die Goldmedaille.

Auf das, was er in wenigen Jahren erreicht habe – 25 Deutsche Meistertitel, zwölf Europarekorde, neun Weltrekorde und eine Olympische Medaille – dürfe Lauer mit Recht stolz sein, so Bürgermeister Benedikt Bisping, denn hinter jedem dieser Erfolge stehe viel Disziplin, Energie und Zielstrebigkeit. Wieviel der Ausnahmeathlet davon habe, habe sich auch und vor allem in der Krise gezeigt, und die Stärke, die er hier bewiesen habe, mache ihn „zu einem Vorbild für uns alle.“

Vorzeitiges Ende der sportlichen Laufbahn

Nachdem 1960 bei einer ärztlichen Behandlung eine verunreinigte Injektionsspritze beinahe zur Amputation seines Beines und zwangsläufig zum vorzeitigen Ende seiner sportlichen Laufbahn geführt habe, sei Lauer mit diesem Schicksalsschlag eindrucksvoll offensiv und ohne jede Spur von Selbstmitleid umgegangen.

Vom Krankenbett aus startet er eine zweite Karriere als Schlagersänger und unterschreibt im Januar 1962 einen Plattenvertrag bei dem erfolgreichen Label Polydor. Insgesamt gehen etwa sechs Millionen seiner Platten mit Titeln wie „Taxi nach Texas“, „Die letzte Rose der Prärie“ oder „Wenn ich ein Cowboy wär‘“ über den Ladentisch.

Nach Abschluss seines Studiums 1964 folgt ein beruflicher Werdegang, der unter anderem Stationen bei der Firma Interatom, Tätigkeiten bei Triumph-Adler und Quelle sowie die Geschäftsführung der Norddeutschen Innovations- und Beteiligungsgesellschaft beinhaltet. In den Jahren 1970 bis 1973 zeichnet er im Auftrag der Firma Diehl (Junghans) zudem für die Einführung der elektronischen Zeitmessung bei den Olympischen Spielen 1972 in München verantwortlich.

Neue Heimat in Lauf

1977 zieht er mit seiner Frau Christa und den beiden Kindern Linda und Erik nach Lauf und findet dort ein neues sportliches Betätigungsfeld als Erster Vorstand der Leichtathletikgemeinschaft Lauf Pegnitzgrund.

„Jede Trainingseinheit mit Martin Lauer war eine Bereicherung“, erinnert sich sein langjähriger Stellvertreter und Mitstreiter Fred Lang. „Er sorgte für Begeisterung bei den jungen Leuten, weil er jede Übung perfekt beschreiben, begründen und vormachen konnte – ein ausgezeichneter Motivator, der hohe Anforderungen stellte und trotz aller Konsequenz den richtigen Ton traf“. Und auch wenn es galt, bei ortsansässigen Firmen und Sponsoren Mittel für wichtige Anschaffungen wie Speere, Stabhochsprungstäbe, Hürden oder eine Zeitmessanlage zu akquirieren, habe sich der Spitzensportler gerne in den Dienst der Gemeinschaft gestellt und nicht nur dank seines großen Namens viele Wege geebnet.

Botschafter für die Pegnitzstadt


„Trotz Ihres Handicaps waren Sie immer in Bewegung und haben in Lauf auch viele andere Menschen in Bewegung gebracht – im Breiten- wie im Spitzensport. Gemäß ihrem Motto ‘Einer muss die Staffel zusammenhalten’ waren Sie 23 Jahre lang nicht nur prominentes Aushängeschild der LG Lauf Pegnitzgrund, sondern auch ein großartiger Teamplayer, der die Fahne des sauberen und fairen Sports hochgehalten hat”, würdigte Bürgermeister Benedikt Bisping die Leistung des Sportlers. Darüber hinaus sei Martin Lauer mit seiner journalistischen Arbeit für verschiedene Zeitungen und Magazine ein großartiger Botschafter für die Pegnitzstadt gewesen.

Viel Lob gab es auch von Landrat Armin Kroder, der sich vom Lebenswerk Lauers ebenso beeindruckt zeigte wie von seinem Umgang mit Krisen. Lauer habe ganz offensichtlich zahlreiche Begabungen und sei eine Persönlichkeit, die nicht nur in der deutschen Sportlandschaft ihresgleichen suche.

Dank an Freunde und Weggefährten

Martin Lauer selbst zeigte sich bescheiden. Er habe noch immer gute Erinnerungen an seine Zeit bei der Leichtathletikgemeinschaft Lauf Pegnitzgrund und wolle die Gelegenheit nutzen, sich bei Familie, Freunden und Weggefährten für ihre langjährige Unterstützung zu bedanken: „Das alles war nur im Team möglich“.

Bewegt zeigte er sich angesichts der großen Zahl der Gratulanten: „Dass so viele Gäste gekommen sind, ist eine Überraschung, über die ich mich sehr freue.“



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