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13.04.2017

„Wir zeigen Geschichte dort, wo sie wirklich geschehen ist“

Ein Gespräch mit Dr. Renate Kubli und Dr. Christiane Müller


Interview mit Frau Dr. Kubli und Frau Dr. Müller (Foto Hiller)

Frau Dr. Kubli, Frau Dr. Müller (Foto Hiller)

Die Vorbereitungen zur großen Jubiläumsfeier im Industriemuseum sind in vollem Gange. Kurz vor Eröffnung der neuen Ausstellung trafen sich die ehemalige Museumsleiterin Dr. Renate Kubli und ihre Nachfolgerin Dr. Christiane Müller (Foto) zum Gespräch mit Katrin Hiller von der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Lauf.

Frau Dr. Kubli, ursprünglich zur Realisierung eines Buchprojekts über Mühlen- und Hammerwerke bei den Laufer Altstadtfreunden eingestellt, wurden Sie 1986 von der Stadt Lauf mit dem Aufbau eines Industriemuseums betraut – ein ehrgeiziges Projekt, das Sie mit viel Engagement in Angriff genommen haben. Mit welchen Herausforderungen sahen Sie sich damals konfrontiert und wie gestaltete sich die Anfangszeit?

Dr. Kubli: Zunächst galt es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass nicht nur Kirchen, Schlösser, Gemälde und Skulpturen, also all das, was man gemeinhin unter „hoher Kultur“ versteht, museal und erhaltenswert ist, sondern beispielsweise auch ein altes Hammerwerk oder eine Getreidemühle. Zudem stieß ich als junge Frau, die ohne einschlägige Berufserfahrung die Projektleitung für den Aufbau eines technischen Museums übernehmen sollte, auf Skepsis – bei der Stadtverwaltung und dem Stadtrat ebenso wie bei den vier ABM-Kräften, die mir zur Seite gestellt wurden. Hier musste ich nicht nur jede Menge Überzeugungsarbeit leisten, sondern mich ein ums andere Mal auch richtig durchsetzen – eine harte, aber gute Schule.

Unter der Regie der Altstadtfreunde Lauf wurde mit der Restaurierung des Hammerwerks Engelhardt begonnen – genau genommen ein Schwarzbau, was uns aber erst einige Zeit später beim Besuch des zuständigen Referenten des Landesamts für Denkmalschutz klar wurde. Da das Hammerwerk, das E-Werk, die Roggenmühle und das Körner’sche Haus schon damals unter Ensembleschutz standen, hätte die Behörde von Beginn an involviert werden müssen. Glücklicherweise fand unsere Arbeit dort aber so großen Anklang, dass wir im Nachhinein grünes Licht bekamen. Für uns alle war dieses Projekt eben etwas völlig Neues.

Worüber sind Sie im Rückblick besonders stolz?


Dr. Kubli: Stolz ist wohl das falsche Wort, aber die Tatsache, dass wir nach fast zwanzig Jahren Planung die ehemalige Ventilfabrik Dietz & Pfriem in unser Museumsensemble integrieren konnten, war ein unendlicher Glücksfall.

Für Erich Dietz, den ich immer sehr geschätzt habe, war es zu Anfang schwer nachvollziehbar, dass aus seinem Unternehmen eines Tages ein Museum werden sollte, und das Vorhaben stand auch lange Zeit auf der Kippe. Doch dank einer hervorragenden Teamleistung, der Unterstützung von Bürgermeister Rüdiger Pompl und dem Laufer Stadtrat sowie Zuschüssen von der Städtebauförderung, dem Kulturfonds Bayern, der Bayerischen Landesstiftung, dem Bezirk Mittelfranken, dem Landkreis Nürnberger Land und der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern konnten wir 2008 das erweiterte Industriemuseum neu eröffnen.

Dr. Kubli: Unsere schönste Ausstellung war meiner Meinung nach die 70er-Jahre-Schau, doch der Durchbruch gelang uns mit der Bärenausstellung im Jahr 1996, die auf riesige Resonanz stieß und das Industriemuseum innerhalb kurzer Zeit überregional bekannt machte. Wir wollten beweisen, dass unser Themenspektrum weit über Wasserkraft und Metallverarbeitung hinausreicht, um auch ein Publikum für das Industriemuseum zu interessieren, das ansonsten nicht den Weg zu uns gefunden hätte. Und das Konzept ging auf. Wir konnten insgesamt 35.000 Besucher begrüßen und ich war wirklich traurig, als die 1500 Teddybären, die wir gezeigt hatten, nach und nach wieder abgeholt wurden.

Im Laufe der Zeit haben wir im Industriemuseum natürlich einige prominente Gäste empfangen, darunter mehrere Politiker, die sich sehr für unsere Einrichtung engagiert haben. Hier jemanden hervorzuheben, fällt mir schwer.

Dr. Müller: Natürlich war der Besuch des Ministerpräsidenten Horst Seehofer vor einigen Jahren etwas ganz Besonderes – allein schon wegen der Herausforderung, eine Hundestaffel, Sicherheitsleute und eine fröhlich am Wasserspielplatz spielende Kindergartengruppe gleichzeitig auf dem Gelände zu haben.
Persönlich berührt hat mich allerdings am meisten ein Laufer Bürger um die 90, der mir nach seinem Besuch mit glänzenden Augen sagte, das Museum sei für ihn ein Grund, auf seine Stadt stolz zu sein.

Neben den Dauerausstellungen sind im Industriemuseum auch immer wieder Sonderausstellungen zu sehen. Auf welche Ausstellungen und Aktionen dürfen sich die Museumsbesucher im Jubiläumsjahr freuen?


Dr. Müller:
Am 14. Mai startet unsere Jubiläumsausstellung "Erfindergeist", die sich über beide Ausstellungsräume, also über ca. 550 Quadratmeter erstrecken wird. Gezeigt werden Erfindungen aus Arbeit und Alltag von der Steinzeit bis heute, quasi vom Faustkeil zum Smartphone. Viele Erfindungen haben unser Leben nachhaltig verändert, und oft sind wir uns darüber gar nicht im Klaren, weil diese Dinge so selbstverständlich für uns sind. Das wollen wir ändern.

Am 21. Mai steigt dann unser großes Geburtstags-Museumsfest. Mit dabei sind unter anderem das THW, die Freiwillige Feuerwehr Lauf, der Bulldog-Verein aus Dehnberg, der Fränkische Albverein, die DornRosen, die Briefmarken- und Münzfreunde, das Dehnberger Hof Theater und das Stadtarchiv. Die Stadtarchivarin Dr. Ina Schönwald hält übrigens am 22. Juni um 19.00 Uhr einen Vortrag zum Thema "Erfindungen aus Lauf und Umgebung".

Neben unseren jährlichen Veranstaltungen wie dem Mühlentag, dem Tag des offenen Denkmals oder den Dampfmodelltagen gibt's dieses Mal vor allem im Sommer und Herbst noch ein paar extra-Schmankerl. Nach dem Erfolg der "Nachtigallen" im letzten Jahr präsentiert der PZ-KulturRaum im Museumsgarten wieder eine Open Air-Veranstaltung: Frangn Bauer. Der Kunst- und Kulturverein arteschock zeigt vom 3. bis zum 6. August Filme im Museumsgarten und am 24. September tauchen wir mit "Kleine Wunder in Blech" in die Welt des Blechspielzeugs ein. Eine Art "Kunst & Krempel" verbirgt sich hinter "Schätzchen schätzen" am 8. Oktober. Puppen, Schreibmaschinen, Briefmarken und mehr können ins Museum mitgebracht und von Experten geschätzt werden.

Das Programm für den Tüftlertag am 22. Oktober bleibt noch ein Geheimnis. Tüftler, Bastler und Erfinder und solche, die es werden wollen, kommen aber auf jeden Fall auf ihre Kosten. Abends zeigen wir in der Riednermühle "Wallace & Gromit".

Welche Herausforderungen warten in der Zukunft auf das Industriemuseum?

Dr. Müller: 
Auf das Museum kommen ganz unterschiedliche Herausforderungen zu. Viele Menschen, die heute das Museum besuchen, kennen die Objekte darin noch aus ihrer eigenen Vergangenheit. Das wird nicht so bleiben, daher müssen wir unseren zukünftigen Besuchern eine Brücke in die Vergangenheit bauen und darauf achten, dass das Museum anschlussfähig bleibt.

Dann gibt es natürlich Entwicklungen im Museumsbereich, die wir nicht verpassen dürfen, wie der Trend zum Mitmachen und Entdecken. Mitmachen ist toll, und vieles begreift man besser, wenn man es selbst ausprobieren kann. Deshalb planen auch wir, unser Museum diesbezüglich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig muss man den Besuchern aber auch vermitteln, dass nicht jedes Objekt im Museum angefasst werden darf. Historische Objekte sind empfindlich und schützenswert. In dieser Hinsicht kommt also noch einiges auf uns zu.

Wichtig finde ich, dass wir auch in Zukunft ein Museum für alle sind. Den typischen Museumsbesucher gibt es schon lange nicht mehr. Deshalb ist es unser Ziel, dass sich bei uns jeder Besucher, egal wo er herkommt oder wie alt er ist, gut informiert und unterhalten fühlt. Der Wunsch jedenfalls, mal aus der Bildschirm-Welt auszubrechen wächst. Viele Menschen suchen wieder nach echten, authentischen Erlebnissen. Und die wollen und können wir anbieten. 

Frau Dr. Müller, Frau Dr. Kubli, vielen Dank für das Gespräch.



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