Von Lauf über Rostock nach Japan

Geschichte(n) aus dem Stadtarchiv

Prof. Dr. jur. Hermann Roesler (Städtische Sammlungen, Foto: Universität Rostock)
Foto: Prof. Dr. jur. Hermann Roesler -Von Lauf über Rostock nach Japan

Von Lauf über Rostock nach Japan

Die Frage, was wohl die mittelfränkische Kreisstadt Lauf mit dem fernen Japan verbindet, lässt sich heute mit dem Hinweis auf die Firma TADANO-FAUN GmbH beantworten. 1990 ging die FAUN-Werke AG, eine der bedeutendsten Laufer Industriebetriebe im Ortsteil Heuchling, an den japanischen Kranhersteller TADANO Ltd. über. Diese Tatsache veranschaulicht, dass sich das Kaiserreich Japan im 20. Jahrhundert zu einem der führenden Industrieländer entwickelt hat, dessen Firmen weltweit an Wirtschaft und Handel Anteil haben. 

 

Die Voraussetzungen dazu wurden bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschaffen, als sich das traditionsreiche „Land der aufgehenden Sonne“ aus seiner starren Absperrung gegen die Außenwelt löste und die Verbindung zu den Vereinigten Staaten von Amerika und den europäischen Nationen suchte. Diesen Werdegang hat eine Persönlichkeit mitgestaltet, die man als „Vater der japanischen Verfassung“ bezeichnete: Hermann Roesler, geboren am 18. Dezember 1834 in Lauf an der Pegnitz. 

 

Eine schlichte Tafel am Geburtshaus Marktplatz 8 erinnert an diesen Mann, der zu den bedeutendsten Persönlichkeiten dieser Stadt zählt. Im Hause des Maurermeisters Georg Schmidt lebten damals Christoph Karl Friedrich Maximilian Roesler und seine Frau Sophia Wilhelmina geb. Nägelsbach zur Miete und dort erblickte als drittes von fünf Kindern Carl Friedrich Hermann Roesler das Licht der Welt. 1828 hatte der Vater die Stellung eines Rechtsrates beim Magistrat der Stadt Lauf angetreten. In den letzten Jahren vor seinem frühen Tod 1841 war er als Rechtsanwalt und königlicher Appelationsgerichtsadvokat in Lauf tätig.

 

Nach dem Besuch der Volksschule in Lauf und des Melanchthongymnasiums in Nürnberg schlug Hermann Roesler im Sinne seines Vaters die juristische Laufbahn ein. Mit besten Prüfungsauszeichnungen erwarb er 1859 die juristische Doktorwürde der Universität Erlangen und 1860 den Doktor der Staatswissenschaften an der Tübinger Universität. Seine Erlanger Habilitation leitete zur akademischen Lehrtätigkeit über, die ihn bereits 1861 als Professor der Staatswissenschaften an die Universität Rostock führte. Dort wurde ihm der Ehrendoktor der philosophischen Fakultät verliehen. 

 

Während seiner 17jährigen Lehrtätigkeit in Rostock erschienen zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze und Abhandlungen zu Themen der Volkswirtschaft und der Verwaltungsgerichtsbarkeit, darunter seine Hauptwerke „Über die Grundlehren der von Adam Smith begründeten Volkswirtschaftstheorie“ (1868) und das zweibändige „Soziale Verwaltungsrecht“ (1873). Roeslers kritische Haltung gegenüber den staatsrechtlichen Vorstellungen Bismarcks und schließlich sein Übertritt zum katholischen Glauben in der bewegten Zeit des Kulturkampfs beendeten seine Lehrtätigkeit an der evangelisch geprägten Rostocker Universität. 

 

Titelseite der "Vorlesung über Volkswirthschaft" (Neudruck der Ausgabe von 1878 in der Bibliothek des Stadtarchivs Lauf)
Grafik: Titelseite der "Vorlesung über Volkswirthschaft"

 

Ungeahnte Möglichkeiten taten sich für den allseits anerkannten Gelehrten auf, als er 1878 dem Ruf der kaiserlichen Regierung Japans folgte und das Amt eines Legationsrates am Außenministerium in Tokio annahm. Auf dem Weg zur modernen Weltmacht hat Roesler 15 Jahre lang Hervorragendes für Japan geleistet. Die Ordnung des Staates, der Aufbau der Verwaltung und Justiz, wurden von ihm nach europäischem Vorbild neu gestaltet. Die Handelsgesetzgebung und die Gewährung der Glaubens- und Gewissensfreiheit gehen auf ihn zurück. Nach dem Vorbild der bayerischen Verfassung entwarf er auch das Staatsgrundgesetz neu, er gilt als „Vater der japanischen Verfassung“. Obwohl Roesler in vielen seiner Ansichten in Opposition zu Bismarck und dem Wilhelminischen Kaiserreich stand, trug er wesentlich dazu bei, dass deutsche Wissenschaft und Kultur in Japan hohes Ansehen genossen. 

 

Das ungewohnte fernöstliche Klima hatte Roeslers Gesundheit bereits angegriffen, als er sich 1893 entschloss, sein erfolgreiches Wirken in Japan zu beenden. Sein letztes Lebensjahr, das ihn nochmals in seine Vaterstadt Lauf zu seiner hier noch lebenden Mutter führte, war von schwerer Krankheit überschattet. Wenige Tage vor seinem 60. Geburtstag starb er am 2. Dezember 1894 während eines Kuraufenthaltes in Bozen und fand dort seine letzte Ruhestätte. 

Neu: Regionaler halloBlog des Stadtarchivs Lauf


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